• Wovon hängt es eigentlich genau ab, wie viel wir uns leisten können? Worin liegen die Zusammenhänge zwischen Inflation und verfügbarem Einkommen? Bild: @ Grecaud Paul/Fotolia.com

Die Einkommensentwicklung in Deutschland - was können wir uns heute und in Zukunft leisten?

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Ohne Moos nix los – dieses Motto kennt wahrscheinlich jeder Haushalt. Geld wird täglich gebraucht, für Lebensmittel, Bekleidung, Hygieneartikel – oder um einfach nur von der Wohnung ins Büro zu kommen. Eigentlich müssen sich die Einkommen in den letzten 20 Jahren steil nach oben entwickelt haben. Zumindest legen Daten der Weltbank zum Bruttonationalprodukt dies nahe. Hintergrund: 1997 lag das Bruttonationalprodukt in der Bundesrepublik bei 24.550 USD. 2017 ist dieser Wert auf 49.530 USD gestiegen und hat sich damit in etwa verdoppelt. Deutlich genauer sind Erhebungen beispielsweise des Statistischen Bundesamts. Letzteres bezifferte die Erwerbseinkünfte für 2016 beispielsweise auf durchschnittlich 2.718 Euro.

Quellen, welche andere Statistiken benutzen, kommen zu entsprechend abweichenden Zahlen. So lag einem Medienbericht des Magazins „Spiegel“ zufolge der Median bei den Einkommen im Jahr 2014 bei knapp 3.000 Euro. Auf den ersten Blick ein durchaus akzeptables Polster. Aber: Die Entwicklung der Löhne löst seit Jahren Debatten aus. Es geht dabei vorrangig um die Frage, wie leistungsgerecht Löhne und Gehälter in Deutschland sind. Und wie es sein kann, dass immer noch etwa ein Fünftel der Arbeitnehmer weniger als 2.100 Euro brutto verdienen. Unter Berücksichtigung der zu leistenden Sozialabgaben und Steuern schmilzt deren Nettoeinkommen deutlich zusammen.

Nominal- vs. Reallohnentwicklung - worin liegen die Unterschiede?

In der Debatte um Einkommen und Lohnentwicklung sehen viele Laien zuerst nur die Lohnhöhe – sprich wie viel Geld landet am Monatsende auf dem Konto. Ein Betrag, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Arbeitnehmer Löhne erst ausgezahlt, wenn:

-    Lohnsteuer
-    Krankenkassenbeiträge
-    Prämien zur Rentenversicherung
-    Pflegepflichtversicherungsbeiträge usw.

abgeführt sind. Je nach Familiensituation müssen Beschäftigte zwischen 20 Prozent bis 30 Prozent als Abzüge einkalkulieren. Aber: In der Einkommens- und Lohndebatte spielen ganz andere Variablen eine Rolle. Die Rede ist von:

-    Nominallohn
-    Reallohn.

Was verbirgt sich hinter diesen beiden Begriffen? Der Nominallohn umfasst die an Arbeitnehmer als Lohn oder Gehalt gezahlten Geldeinheiten. In Deutschland entspricht dieser Begriff dem Nettolohn (oder Netto-Nominallohn), da der vertraglich vereinbarte Bruttolohn um die genannten Abgaben gemindert wird. Wie aussagekräftig ist der Nominallohn? In der Praxis hat der Begriff einen wesentlichen Nachteil: Es wird die Kaufkraft außer Acht gelassen.

Die Preisentwicklung ist letztlich aber ausschlaggebend für die Betrachtung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Lohnempfängers. Um diesen Zusammenhang abzubilden, wird der sogenannte Reallohn herangezogen. Steigt der Nominallohn stärker als die Verbraucherpreise, steigt der Reallohn. Sobald die Inflation in höherem Ausmaß zunimmt, flacht sich die Entwicklung der Reallöhne ab. Abgebildet wird der Reallohn über Indizes. Für den Zeitraum 2010 bis 2016 hat das Statistische Bundesamt folgende Werte ermittelt:

In Anbetracht der seit 2014 niedrigen Inflation sind die Reallöhne wieder spürbar gewachsen. Aber: Für die Einkommensdebatte wird oft auch die Frage gestellt, inwiefern die unteren Einkommensschichten auf lange Sicht abgehängt werden.

Wie sich die Löhne in Zukunft entwickeln, hängt – neben der Inflation – von der Frage ab, wie Steuerlasten und die Kosten der Sozialversicherung in Zukunft verteilt werden. Die anhaltende Debatte um Steuerentlastungen und Steuergeschenken an die Mittelschicht sind hier nur eine Seite der Medaille.

Abgaben sinken – Reallöhne steigen

Gerade in Bezug auf die Sozialabgaben wird immer wieder von der Bundesregierung gefordert, mehr zu tun. Ein Beispiel ist die gesetzliche Krankenversicherung. Zwar teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den allgemeinen Beitragssatz jeweils zur Hälfte. Sobald Krankenkassen aber höhere Kosten entstehen, werden wiederum nur die Beschäftigten zur Kasse gebeten. Und Experten rechnen damit, dass sich diese Entwicklung verschärft. Jeder Euro, welche für diese Zusatzkosten aufgebracht werden muss, fehlt am Ende in der Reallohnentwicklung.

Wovon hängt die Entwicklung der Lebenshaltungskosten ab?

Das Thema Lebenshaltungskosten spielt für die Reallohnentwicklung eine wichtige Rolle. An diesem Punkt geht es vordergründig zwar um die Inflation. Nicht vergessen werden dürfen Einflussfaktoren, welche eher indirekt eine Rolle spielen. Wie stark machen sich die einzelnen Aspekte bemerkbar?

1.    Die Inflationsrate

Die Inflationsrate ist auch unter dem Begriff Preissteigerungsrate bekannt. Dahinter verbirgt sich die zunehmende Verteuerung von Dienstleistungen und Waren. Steigen die Kaufpreise für Produkte des täglichen Bedarfs an, verringert sich die Kaufkraft. Dieser offenkundig simple Zusammenhang hat für alle Haushalte Folgen. Aber: Einige Betroffene spüren die Entwicklung stärker als andere Haushalte. Besonders schnell machen sich Preisänderungen nach oben in den niedrigen Einkommensgruppen bemerkbar. Wie entsteht die Inflation?

Hierfür gibt es verschiedene volkswirtschaftliche/makroökonomische Ansätze, welche beispielsweise auf die Geldmenge und die Geldumlaufgeschwindigkeit abzielen. Parallel kann die Inflationsänderung auch durch andere Aspekte, wie beispielsweise Veränderungen in den Lohn-  oder Energiekosten erklärt werden. Hierdurch steigen Produktionskosten und Unternehmen heben die Preise an.

2.    Zusätzliche Kostenfaktoren in der Lebenshaltung

Druck auf die Kaufkraft kann auch durch andere Entwicklungen ausgelöst werden. Beispiel: Vor 30 Jahren waren Handys eine Vision. Heute sind Smartphones Wirklichkeit und werden selbstverständlich genutzt. Dies bedeutet aber auch, dass Haushalte Ausgaben für Geräte und Verträge schultern müssen. Gleiches gilt natürlich auch für andere IT-Bereiche oder Kabel- und DSL-Tarife.

Veränderungen dieser Art entstehen auch dann, wenn sich Nachwuchs ankündigt und damit plötzlich ganz andere Ausgaben zu schultern sind – wie Kita- oder Vereinsgebühren. Aber: Auf der anderen Seite entfallen Kosten für Leistungen, die heute nicht mehr benötigt werden. Diese Entwicklung lässt sich am Ende nur durch eine Veränderung der Standardwarenkörbe abbilden.

Große Anschaffungen: Lebenshaltung und Preisindizes spielen eine Rolle

Auf den ersten Blick handelt es sich bei Reallöhnen und den Verbraucherpreisindizes um statistische Rechengrößen, die im Alltag spürbar – aber eher abstrakt wahrgenommen werden. Allerdings existieren Bereiche, in denen sich diese Aspekte umgehend niederschlagen. Die Rede ist von Verbraucherkrediten. Gerade Ratenkredite werden heute für ein breites Spektrum an Anschaffungen genutzt. Häufig geht es um Konsumkredite, welche Einzelhändler als Mittel der Absatzförderung nutzen.

Kredite werden aber auch für umfangreiche Finanzierungsprojekte – wie das Eigenheim – genutzt. Und spätestens in der Bewertung, ob Antragsteller aus Sicht der Bank in der Lage sind, die Last aus dem Kredit zu tragen, werden die Lebenshaltungskosten (und damit auch die Reallöhne) eine Rolle spielen. Wie stark machen sich diese Effekte bemerkbar?

Banken rechnen mit eigenen Haushaltspauschalen

Wie stark sich der Kreislauf aus Nominallohn, Reallohn und Preissteigerung auf die Frage nach Kreditvergabe und den Konditionen auswirkt, lässt sich pauschal kaum einschätzen. Hintergrund: Banken arbeiten an dieser Stelle häufig – wenn auf detaillierte Angaben der Kreditnehmer verzichtet wird – mit sogenannten Haushaltspauschalen. Diese werden intern festgelegt und selten nach außen kommuniziert. Sie basieren im Normalfall auf Modellen der Lebenshaltungskosten, enthalten aber stets individuelle Berechnungsmethoden.  

Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, die Situation für den Einzelfall einzuschätzen. Es zahlt sich aus, verschiedene Banken bezüglich der Konditionen für ein Darlehen anzufragen – da die Berechnungen der Pauschale individuell doch unterschiedlich ausfallen können. Achtung: Im Zusammenhang mit Darlehen, deren Zinssatz in einer Abhängigkeit zur Bonität steht, können die Haushaltspauschalen durchaus einen nachteiligen Effekt entfalten. Sieht die Bank ein höheres Ausfallrisiko, wird der Zinssatz für den Kredit steigen – oder die Bank lehnt ab.

Fazit: Die Reallöhne steigen, die Verbraucherpreise aber auch

Altersarmut, steigende Preise und sinkende Reallöhne – gerade für die unteren Einkommensschichten ein Schreckensszenario mit Tendenz zur Wirklichkeit. In den letzten Jahren sind die Nominallöhne in Deutschland gestiegen. Die Reallohnentwicklung sieht teilweise anders aus, wenn sich auch in den letzten Jahren eine deutliche Besserung zeigt. Doch sobald die Inflation wieder anzieht, bewegt sich die Schere wieder auseinander. Besonders deutlich bekommen diese Entwicklung jene Einkommen zu spüren, die 2.100 Euro brutto (oder weniger) verdienen. Und die Reallöhne haben noch ganz andere Auswirkung. Durch die Haushaltspauschale besteht die Gefahr, dass die Entwicklung am Ende auch in der Vergabe von Krediten eine Rolle spielt. Angehende Eigenheimerwerber können hier durchaus auf der Verliererseite stehen.