Noch keine optimalen Bedingungen in Sachsen: Was sich für Fahrradfahrer im Straßenverkehr ändern muss

Fahrradfahrer sind unzufrieden. Trotz vieler Bestrebungen, die Städte für Radfahrer attraktiver zu machen, lässt die Umsetzung oft zu wünschen übrig. Man sollte meinen, dass gerade in letzter Zeit das Fahrradfahren in den Städten attraktiver geworden ist, aber die Ergebnisse des Fahrradklima-Test 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs sprechen eine andere Sprache. Radfahrer fürchten um ihre Sicherheit, wenn sie sich durch den Straßenverkehr quälen, die Freude am Radfahren wird dadurch getrübt und immer mehr Fahrradfahrer fühlen sich gestresst, wenn sie mit dem Drahtesel unterwegs sind. Auch in Sachsen hat sich die Situation eher verschlechtert als verbessert.

Die gute Nachricht zuerst: Leipzig belegt bundesweit nach wie vor den 3. Platz der fahrradfreundlichsten Großstädte Deutschlands, ist aber gegenüber 2016 schlechter bewertet worden. In Schulnoten ausgedrückt bedeutet das einen Rückgang von Note 3,7 auf 3,85. Über 70 % der Befragten gaben an, dass sie sich beim Radfahren gefährdet fühlen, wofür es bei der Gesamtbewertung Abzüge gab.

Dresden kommt bundesweit unter den Großstädten auf Platz 5 mit Schulnote 3,96, immerhin eine Verbesserung gegenüber 2016, wo die Note 4,1 vergeben wurde. Allerdings hat sich laut ADFC in Dresden nicht wirklich etwas verbessert.

Bei den mittelgroßen Städten liegt Chemnitz auf dem 10. Platz und verschlechterte sich gegenüber 2016 ebenfalls leicht. Das gilt auch für die Stadt Plauen, die einen der hinteren Plätze einnimmt. Zittau konnte sich leicht verbessern und liegt nun knapp vor Plauen. Das Schlusslicht in Sachsen unter den mittelgroßen Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern belegt jedoch Zwickau. Bundesweit steht Zwickau an viertletzter Stelle. Kein gutes Zeugnis für die Fahrradfreundlichkeit der Stadt, die sich von Note 4,3 auf 4,6 verschlechtert hat.

Wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, seinen Weg zur Arbeit anstatt mit dem Auto künftig mit dem Rad zurückzulegen, wird durch die aktuellen Ergebnisse des Fahrradklima-Tests wohl eher abgeschreckt. Dennoch gibt es viele Gründe, öfter das Fahrrad zu benutzen und das Auto stehen zu lassen. Nicht nur, dass man an der frischen Luft etwas für seine Gesundheit tut, die Wege können sogar kürzer sein als wenn man sie mit dem Auto zurücklegt. Voraussetzung dafür sind gut ausgebaute Fahrradwege, die abseits des Autoverkehrs angelegt sind, sowie Möglichkeiten, das Fahrrad am Zielort sicher abstellen zu können.

Rechnet man beim Autofahren noch die Parkplatzsuche mit ein, könnten zahlreiche Wege mit dem Rad tatsächlich kürzer sein. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung dürfte ebenfalls Pro Rad ausfallen, selbst wenn man aufs Pedelec umsteigt. Die Fahrräder an sich sind heutzutage technisch ausgereifter und sicherer, und mit den richtigen Kenntnissen können Fahrräder oft auch selbst repariert werden, wenn z.B. die Kette erneuert werden muss. Aber selbst Reparaturen in der Fahrradwerkstatt sind vergleichsweise günstig im Verhältnis zu Kfz-Reparaturen, selbst wenn es um E-Bikes geht. Tatsächlich ist Zwickau sogar Vorreiter in Sachen E-Mobilität auf zwei Rädern, denn eine Firma aus Zwickau hat einen Motor zur Nachrüstung für normale Fahrräder entwickelt. Damit kann ein herkömmliches Rad ohne Motor innerhalb von 10 Minuten in ein E-Bike umgerüstet werden.

Das ist nur ein Beispiel, das Zwickau durchaus als fahrradfreundliche Stadt zeigt. Der Landkreis hat bereits 2016 ein Konzept zur Fortschreitung des Radverkehrs vorgelegt. Hierbei stand vor allem die Anbindung an vorhandene Radnetze im Umkreis im Vordergrund. Auch eine Verknüpfung des Radverkehrs mit öffentlichen Verkehrsmitteln wurde berücksichtigt.

Für Freizeitradler stehen im Zwickauer Land ganze 128 Radrouten zur Verfügung, allen voran der Mulderadweg der Zwickauer Mulde mit insgesamt 150 Kilometern. Doch hier erwartet den fortgeschrittenen Radler keine angelegten Radwege, sondern es geht vorwiegend über Stock und Stein und auf Wanderwegen voran. Aktivsportlern dürfte das aber durchaus entgegenkommen, was im Straßenverkehr jedoch weniger für Begeisterung sorgt. Deshalb hat sich die Stadtverwaltung in Zwickau nach dem schlechten Ergebnis des Fahrradklima-Tests Gedanken gemacht, wie das Fahrradfahren in Zwickau attraktiver und sicherer werden kann. Obwohl bereits seit dem Test in 2016 zahlreiche Maßnahmen umgesetzt wurden, scheint dennoch Nachholbedarf in Sachen Verkehrsplanung zu bestehen. Mit Schutzstreifen und weiteren Radwegen auf vielbefahrenen Straßen, teilweise sogar beidseitig, will Zwickau in Zukunft bei Radfahrern punkten. Auch ein Radverkehrskonzept soll erarbeitet werden, das eigentlich schon seit 2016 im Gespräch ist. Demnach sollen mehrere durchgängige Radwege entstehen, wovon es bislang nur einen gibt: Den Mulderadweg.

Die Zahl der Fahrradverkäufe in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.  Angekurbelt wurden diese gestiegenen Verkaufszahlen auch durch den Boom der E-Bikes. Sie zählen nach Trekking-Rädern zu den absatzstärksten Rädern in Deutschland.

Den Trend hin zum Fahrrad müssen nun die Verkehrsplaner aufgreifen und geeignete Konzepte entwickeln, damit Fahrradfahrer im Straßenverkehr gleichberechtigt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern sind. Dies scheint noch nicht der Fall zu sein, was die gestiegene Zahl der Unfalltoten belegt. Während die Zahl der Todesopfer im vergangenen Jahr bei Auto-, Motorradfahrern und Fußgängern gesunken sind, stieg sie bei Fahrradfahrern stark an. 11 Prozent mehr Unfälle von Fahrradfahrern, knapp 4 % mehr Fahrradunfälle allein von Kindern sprechen eine deutliche Sprache. Seit 2010 ist die Zahl der Verkehrstoten unter den Autofahrern um knapp 23 % gesunken, bei Radfahrern ist sie seitdem aber um fast 17 % gestiegen.

Der Bundesverkehrsminister sieht Handlungsbedarf und will mit seiner kürzlich vorgestellten Novelle der Straßenverkehrsordnung das Fahrradfahren in Deutschlands Städten attraktiver und vor allem sicherer machen. Mit höheren Strafen will Verkehrsminister Andreas Scheuer gegen Parken auf Geh- und Fahrradwegen vorgehen. Der Mindestabstand zwischen Autofahrern und Radfahrern soll beim Überholen 1,5 Meter betragen und das Abbiegen von LKW über 3,5 t innerorts nur im Schritttempo erfolgen. Auch hat das Verkehrsministerium zahlreiche Ideen via Bürgerbeteiligung am Nationalen Radverkehrsplan 3.0 gesammelt. Radschnellwege zählen zu den Vorschlägen, die der Verkehrsminister künftig mit einer eindeutigeren Beschilderung ausstatten will. Doch Radschnellwege, wie es sie bereits in einigen Großstädten gibt, sind in Sachsen noch Zukunftsmusik. In Zwickau gab es schon Überlegungen, ausgediente Bahndämme zu Radwegen umzubauen, aber hier hat sich bislang nicht viel getan.

Für Fahrradfahrer gibt es Licht und Schatten. Einerseits ist Fahrradfahren gut für die Gesundheit und das Gemüt, man kommt schnell von A nach B und handelt dabei klimaneutral. Kinder und Jugendliche, die noch keinen Autoführerschein besitzen, können sich genauso wie Erwachsene auf dem Drahtesel fortbewegen. Mit E-Bikes können Steigungen mühelos überwunden werden und auch ältere Menschen kommen damit ohne Probleme voran.

Weniger positiv ist neben unzureichenden Radwegen in vielen Städten und die hohe Zahl an Unfalltoten unter den Radfahrern sicherlich auch, dass Fahrräder offenbar leichter gestohlen werden können. Je teurer das Fahrrad, desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass es sich Langfinger irgendwann unter den Nagel reißen. Statistisch gesehen haben Versicherungsgesellschaften im vergangenen Jahr im Schnitt mehr als 600 Euro je gestohlenem Fahrrad gezahlt. Im Vergleich zum Vorjahr ist aber 2018 die Zahl der Diebstähle um etwa 3 % gesunken. Jedoch steht Leipzig bundesweit bei den Fahrraddiebstählen hinter Halle an der Saale auf dem 2. Platz.

Neben ausreichend breiten Radwegen und sicheren Kreuzungen sind also auch Fahrradparkplätze ein wichtiger Punkt, den viele Fahrradfahrer fordern und gerade für Schüler sinnvoll sind. Deshalb hat der Förderverein des Peter-Breuer-Gymnasiums in Zwickau bereits vor etwa zwei Jahren neue Fahrradparkplätze in der Georgenstraße gefordert. Die Initiative des ADFC „Mehr Platz fürs Rad“ möchte insgesamt mehr Platz für Fahrradfahrer schaffen und fordert daher mehr „Lebensraum“ für Zweiräder mit Pedale.

Wie geht es jetzt in Zwickau weiter? Wenn die bislang angedachten Pläne in nächster Zeit in die Tat umgesetzt werden, ist schon viel erreicht. Vor allem mehr flächendeckende und zusammenhängende Radwege könnten das Fahrradfahren in Zwickau sehr viel attraktiver machen. Aber der Umsetzung von Radschnellwegen sehen viele Radfahrer in Zwickau noch skeptisch entgegen.