45 Behandlungsfehler von Ärzten in Sachsen

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Dresden -

Die Landesärztekammer Sachsen hat im vergangenen Jahr 45 Behandlungsfehler von Ärzten registriert. Das sind ebensoviele wie im Vorjahr. Insgesamt sind die Experten 330 Verdachtsfällen nachgegangen. Der Präsident der Ärztekammer betonte, dass hinter jedem Behandlungsfehler ein Schicksal stehe. Er spricht bei 32 Millionen Behandlungen von einer geringen Fehlerzahl, die für die verantwortungsvolle Tätigkeit von Ärzten, Schwestern und Pflegern spreche.

Die Bilanzmeldung der Landesärztekammer:

Von 197 eingeleiteten Begutachtungen entfielen 125 auf den stationären Sektor, 119 auf Klinikambulanzen,
44 auf ambulante Praxen und neun auf Medizinische Versorgungszentren (MVZ).

80 Anträge betrafen die Fachrichtung Chirurgie, 28 die Innere Medizin, 21 die Orthopädie, elf die Fachrichtung Gynäkologie/Geburtshilfe, zehn Anträge entfielen auf das Fachgebiet Neurochirurgie
und neun Anträge auf die Allgemeinmedizin. Des Weiteren wurden acht Fälle in der Augenheilkunde
und jeweils sechs Anträge in den Fachbereichen HNO und Anästhesiologie/ Intensivtherapie begutachtet. Fünf Fälle entfielen auf die Kinderheilkunde, vier auf die Neurologie/Psychiatrie und jeweils drei auf die Rehabilitation und Radiologie. Außerdem gab es zwei Anträge im Bereich der Haut- und Geschlechtskrankheiten und eine im Bereich der Urologie.

Zu mehr als 60 Prozent sind die Antragsteller anwaltlich vertreten. Die Anerkennungsrate beträgt
22 Prozent, was im gewohnten Bereich liegt. In 90-95 Prozent der Begutachtungsfälle
wird durch die Bearbeitung in der Gutachterstelle eine abschließende Klärung erreicht. 5-10
Prozent werden nachfolgend auf dem Rechtsweg weiter bearbeitet. Die Bereitschaft der Ärzte,
sich an den Verfahren zu beteiligen und zur Aufklärung beizutragen, ist nach wie vor sehr hoch.

Die Gutachterstelle

Die Gutachterstelle ist Ansprechpartner für Patienten, die Ansprüche gegen einen Arzt geltend machen
wollen, der aufgrund des Vorwurfes fehlerhafter ärztlicher Behandlung entstanden ist. Dabei liegt der Zweck darin, Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden und außergerichtlich zum Grunde des Anspruches zeit- und kostensparend beizulegen. Sie kann nur im allseitigen Einverständnis der Parteien (Haftpflichtversicherer, Arzt, Patient) tätig werden.

Eine Kontaktaufnahme zur Gutachterstelle ist erst sinnvoll, wenn der Haftpflichtversicherer zu dem
Schadensersatzanspruch Stellung genommen hat. Der Patient muss den Arzt von der Pflicht zur Berufsverschwiegenheit entbunden haben, ebenso eventuelle weitere Ärzte, welche ihn behandelt haben.

Die Gutachterstelle prüft den Sachverhalt und gibt abschließend eine begründete Stellungnahme ab, ob aufgrund einer fehlerhaften Behandlung ein Anspruch dem Grunde nach besteht. Des Weiteren kann die Gutachterstelle, soweit erforderlich, einen weiteren Gutachter mit der Erstattung eines Zusatzgutachtens beauftragen. Sie entscheidet in der Besetzung eines Vorsitzenden, welcher Arzt ist, und einem langjährig erfahrenen Richter. Die Gutachterstelle wird nicht tätig, wenn in dem Streitfall bereits eine zivilrechtliche Entscheidung beantragt oder ergangen ist. Sie muss das Verfahren aussetzen, solange ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren oder ein Strafverfahren in gleicher Sache anhängig ist. Die Gutachterstelle kann nicht nur von Patienten, sondern auch von Ärzten angerufen werden.