- Nach dem großen Umbau zeigt sich IKEA Chemnitz mit neuem Schriftzug, modernem Restaurant, neuer Technik und Wohnideen für Kaßberg, Heckert-Gebiet und Zwickau.
Alter Schwede, jetzt leuchtet’s auf dem Dach
Auf dem Parkplatz steht der Satz schon groß auf dem Plakat: „Alter Schwede! Selber Standort, neues Einrichtungshaus.“ Links die Einladung zur Wiedereröffnung, rechts das blaue Möbelhaus, darüber vier gelbe Buchstaben, die inzwischen wieder tun, was IKEA-Buchstaben eben tun sollen: leuchten, auffallen, Orientierung geben. Nur: So selbstverständlich, wie der neue Schriftzug heute auf dem Dach sitzt, war sein Weg nach oben nicht. Eher im Gegenteil.
Vier Buchstaben, ein Kran und ein Problem
Beim großen Umbau des IKEA-Hauses in Chemnitz sollte nicht nur die Fassade erneuert werden. Auch die Logos kamen neu. Darunter ein großer IKEA-Schriftzug für das Dach. „Wir hatten die Idee, ein Logo auf das Dach draufzusetzen“, erzählt Market Manager Leo Steber. Geplant gewesen sei das alles von verschiedenen Firmen. Doch als die Buchstaben nach oben sollten, kam die Überraschung: „Am Ende haben die einzelnen Bauteile nicht zusammengepasst.“
Konkret hieß das: Die vier gelben Buchstaben passten nicht an die Halterung. Und weil jeder einzelne Buchstabe rund vier Meter hoch ist, war das kein Fall für die schnelle Baumarkt-Runde. Steber sagt: „Da reichen normale Schrauben vom Baumarkt nicht aus.“ Also mussten größere Lösungen her. Metallbauer wurden eingeschaltet, die Konstruktion wurde angepasst. Eine Woche dauerte es, bis der Schriftzug endlich dort saß, wo er heute sitzt.
Jetzt ist er weithin sichtbar. „Wer auf der A72 unterwegs ist, sieht, wie schön es leuchtet“, sagt Steber. Der Weg dahin sei allerdings „ein sehr holpriger“ gewesen.
Ein Schriftzug als Symbol
Die kleine Buchstaben-Odyssee passt ziemlich gut zu diesem Umbau. Denn auch sonst lief nicht alles nach Möbelhaus-Anleitung. Das Chemnitzer IKEA-Haus wurde seit November 2023 bei laufendem Betrieb modernisiert. Geschlossen wurde nicht. „Theoretisch“ hätte man für ein halbes Jahr zumachen können, sagt Steber. „Es wäre für alle Beteiligten aber der schlechtere Weg“ gewesen. In Chemnitz gebe es nur einen IKEA. Deshalb wollte das Haus auch während der Bauphase für die Leute da sein. Außerdem ging es um die 240 Mitarbeitenden, die weiter ihren Job haben sollten.
Die größte Herausforderung war deshalb nicht nur der Bau selbst. Sondern der Bau mitten im Alltag. Steber beschreibt es so: „Die Herausforderung war, auf bestehender Fläche im bestehenden Kundenbetrieb alle Flächen zu sanieren.“
Mehr als 50 Millionen Euro
Der Umbau war kein kosmetischer Eingriff. IKEA Chemnitz wurde grundlegend modernisiert. Das Haus war 1994 eröffnet worden. Nach rund 30 Jahren waren viele Dinge technisch und baulich fällig. „Nach 30 Jahren ist es an der Zeit, grundsätzliche Dinge zu sanieren“, sagt Steber. Ziel sei gewesen, „einen neuen, modernen, für die Region wieder außerordentlich tollen IKEA“ zu schaffen.
Erneuert wurden unter anderem die Fassade, die Dämmung, die Lüftung, die Heizung und die IT. Dazu kamen neue Bereiche in der Ausstellung, eine modernisierte SB-Halle, neue Beleuchtung, ein neues Restaurant und eine neue Kassenzone. Der Kostenpunkt ist deutlich: „Wir werden bei über 50 Millionen Euro Investition aussteigen“, sagt Steber. Man sei dabei ungefähr im geplanten Rahmen geblieben. „Das ist nicht immer bei Baumaßnahmen und auch nicht bei IKEA immer möglich.“
Deutschlands erstes Restaurant dieser Art
Ein Alleinstellungsmerkmal steht innen: das neue Restaurant. Laut Steber ist es „so in Deutschland das erste IKEA-Restaurant“. Dazu kommt eine neue Kassenzone, die nach seinen Worten „auf dem aktuellsten und modernsten Stand“ ist. Auch hinter den Kulissen hat sich viel verändert. Früher wurde in Chemnitz mit Gas geheizt. Jetzt setzt IKEA auf eine Luftwärmepumpe. Steber spricht von „einer ganz tollen neuen Möglichkeit der Lüftung und Heizungstechnik“.
Seine Einordnung ist deutlich: Was Technik angeht, sei Chemnitz „sicher einer der besten Standorte, den wir in der IKEA-Welt im Moment haben“. Das ist eine starke Aussage. Und sie macht den Umbau größer als nur eine neue Fassade.
Mehr Tageslicht, neue Ausstellung, bessere Abläufe
Auch für die Besucher soll sich das Haus anders anfühlen. Steber nennt mehr Fensterflächen, mehr Tageslicht, bessere Beleuchtung und ein Restaurant, das schneller und besser funktionieren soll. „Man muss auf jeden Fall erleben, wie sich das Ganze zusammenfügt“, sagt er. Das beginne schon auf dem Parkplatz mit der neuen Fassade. Innen gehe es weiter mit helleren Flächen, neuen Abläufen und überarbeiteten Wohnbereichen.
Besonders nennt er den Schlafzimmerbereich. Dort seien neue Räume entstanden, die sich stärker nach echtem Zuhause anfühlen sollen. „Da kann ich als Kunde das Gefühl haben, sofort einziehen zu können“, sagt Steber. Der Schrank sei schon gefüllt, die Räume seien entsprechend eingerichtet.
Kaßberg, Heckert, Zwickau
Der spannendste lokale Punkt steckt in der Ausstellung. IKEA Chemnitz will nicht einfach aussehen wie irgendein IKEA in Deutschland. Das Sortiment ist zwar grundsätzlich gleich. Aber die Wohnbeispiele werden auf die Region zugeschnitten. Steber erklärt: „Dann kommt es auf uns in den Einrichtungshäusern an, das genau anzupassen.“ Es gehe darum, wie die Menschen hier wohnen, wie groß ihre Wohnungen sind, welche Bedürfnisse sie haben, ob sie Haustiere haben oder am Wochenende Fahrrad fahren. All das beeinflusse die Wohnung.
Dann wird es konkret. Steber sagt: „Wenn ich jetzt durch die Ausstellung gehe, sehe ich Räume, die könnten am Kaßberg sein von der Raumhöhe.“ Andere Wohnungen könnten „im Heckert“ stehen, also im klassischen Plattenbau-Grundriss. Außerdem gebe es Inspirationen aus Einfamilienhäusern, „die könnten in Zwickau sein“.
Das ist ein gutes Alleinstellungsmerkmal: IKEA Chemnitz zeigt nicht nur Musterzimmer. Es zeigt Wohnsituationen, die nach Chemnitz, Zwickau, Aue und Erzgebirge aussehen sollen.
Cabrio-IKEA und nasse Sofas
Natürlich gab es beim Umbau auch Momente, die man nicht planen kann. Steber erzählt von Eingängen, die plötzlich nicht mehr zu öffnen waren. Von einem Logo, das erst einmal auf dem Parkplatz zwischengelagert werden musste. Und von Dacharbeiten mit Folgen. „Oder dass auf dem Dach gearbeitet wird und beim nächsten Regenschauer stehen die Sofas unter Wasser“, sagt Steber. Im ersten Moment müsse man damit umgehen. Danach eine Lösung finden. „Im Nachhinein kann man darüber lachen.“
Auch der Begriff „Cabrio-IKEA“ fiel im Gespräch. Denn wenn Teile der Fassade offen waren, musste trotzdem weiter verkauft werden. Steber beschreibt die Lage so: „Wenn die Fassade weg ist, so ein Cabrio-IKEA ist vielleicht nicht das Beste.“ Also wurden Zwischenlösungen gebaut. Mit Holzplatten, Umleitungen, Verlängerungskabeln und viel Ausschilderung.
Jetzt reicht es erst einmal
Für das Team war der Umbau eine lange Belastungsprobe. Schön, spannend, aber eben auch anstrengend. Steber sagt dazu: „Wir haben viel Erfahrung gesammelt, ist aber auch gut, wenn es jetzt vorbei ist.“ Sein Wunsch für die Zukunft klingt ziemlich eindeutig: „Der nächste Umbau bitte erst in 30 Jahren.“
Bis dahin steht der Schriftzug auf dem Dach. Vier gelbe Buchstaben, rund vier Meter hoch. Sie leuchten über dem Parkplatz, über der neuen Fassade und über einem Haus, das sich einmal komplett neu sortiert hat.
Oder, um es mit dem Plakat am Eingang zu sagen: Alter Schwede. Selber Standort. Neues Einrichtungshaus.
