Andrang zu Mordprozess in Görlitz - Angeklagte schweigen
Mit der Verlesung der Anklage hat am Morgen in Görlitz der Mordprozess gegen ein Pärchen begonnen. Der 24-jährigen Frau und dem 34-jährigen Mann wird vorgeworfen, einen 24-jährigen Nieskyer mit mehreren Plastiktüten erstickt zu haben. Außerdem sollen sie eine Kindesentführung geplant haben. Die Angeklagten äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
Der Angeklagte Stephan K – bullige Figur, raspelkurze Haare, Kinnbärtchen, tätowierter Unterarm – verfolgte die Anklageverlesung mit gesenktem Kopf. Die Mitangeklagte Anne-Kathrin H. - modische Kurzhaarfrisur, Armbänder am rechten, eine Tätowierung am linken Arm, Piercing im Gesicht – wurde erst nach der Eröffnung in den Saal gebracht. Sie wollte so offenbar den Kameraleuten entgehen. Beide zeigten keinerlei Gefühlsregung. Sie vermieden es, die Mutter des Opfers, die als Nebenklägerin auftritt, anzuschauen.
Dagegen zeigten Angehörige, Freunde und Bekannte des Opfers Gefühle. Einige brachen in Tränen aus. Sie können die Tat noch immer nicht fassen.
Das Paar soll am 5. Februar das Opfer aus Habgier in eine Wohnung in Görlitz-Weinhübel gelockt und es dort erst mit einem Schlag auf den Hinterkopf betäubt haben. Dann soll der junge Mann mit drei Plastiktüten erstickt worden sein.
Mit diesem Verbrechen wollten die Angeklagten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft an Geld des Opfers herankommen, um sich ins Ausland abzusetzen. Zudem hätten sie noch den Sohn der Angeklagten, der beim sorgeberechtigten Vater lebt, entführen wollen. Durch die Festnahme des Paares im vergangenen Februar sei dies jedoch vereitelt worden.
Der Anwalt von Stephan K kündigte eine kurze Erklärung seines Mandanten an – zum nächsten Prozesstermin am 15. August. Anne-Kathrin H. verweigerte die Aussage.