Asylbewerberheim in Bautzen angezündet

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Im künftigen Asylbewerberheim Spreehotel Bautzen ist am Morgen Feuer gelegt worden. Die Täter warfen Scheiben ein. Wenig später brannte es im Gebäude, sagte uns ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Vier Arbeiter, die dort übernachtetet hatten, blieben unverletzt. Zum Ausmaß des Schadens liegen noch keine Informationen vor. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Ein Fährtenhund ist im Einsatz.  Ermittelt wird wegen schwerer Brandstiftung. Der Bereich um das Spreehotel wurde weiträumig abgeriegelt. Die Spurensuche läuft. Im Tagesverlauf will die Polizei weitere Informationen bekanntgeben.

Reaktionen auf den Brandanschlag

Parteien und Politiker in Sachsen haben den Brandanschlag auf das künftige Asylbewerberheim Spreehotel Bautzen aufs Schärfste verurteilt. Landrat Udo Witschas reagierte mit Wut und Entsetzen. Das Leben von Mitarbeitern, die sich im Gebäude aufhielten, sei leichtsinnig gefährdet worden. Am kommenden Donnerstag sollten die ersten 30 Asylbewerber einziehen. Das sei nun unklar, so der CDU-Politiker. 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete den Angriff als "widerwärtig". "Das ist eine klare Aggression gegen alle Menschen in Not und das erschütternde Ergebnis von Hetze", twitterte der CDU-Politiker.  Die Aufklärung dieser Straftat habe «höchste Priorität.

Der SPD-Ortsverein Bautzen warf der AfD vor, durch eine Demo am vergangenen Dienstag – so wörtlich – „unsachliche Stimmungsmache“ betrieben zu haben. Die SPD verlangte, dass eine Bannmeile um das Spreehotel gezogen wird.  Die AfD wies jeden Zusammenhang zur Protestveranstaltung zurück. Auch sie verurteilte den Brandanschlag. "Wir haben unser demokratisches Recht zur freien Meinungsäußerung wahrgenommen und wiederholten Kritik an der bisherigen Asylpolitik sowie an der Auswahl des Standortes als Asylheim. Wir lehnen jede Form von Gewalt ab", so Kreisverbandsvorsitzender Frank Peschel. Der Kreisvorsitzende der Linken in Bautzen sieht die AfD in der Verantwortung. "Wer Hass verbreitet, macht sich mitschuldig!", schrieb Silvio Lang auf Twitter.

Sachsens Innenminister Armin Schuster erklärte: "Aus Hass Häuser anzuzünden, weil man Geflüchtete nicht in seiner Nähe haben möchte, ist zutiefst primitiv und menschenverachtend". Wer die Brandsätze in das «Spreehotel» geworfen habe, sei noch nicht bekannt. "Aber wir müssen von einem fremdenfeindlichen Brandanschlag ausgehen", so der CDU-Politiker.  

Die sächsischen Grünen bezeichneten die Tat als „Anschlag auf unser Zusammenleben“. Sie sei abscheulich und menschenverachtend. "Wir alle müssen gemeinsam für ein weltoffenes Sachsen einstehen, das für alle Menschen ein sicheres Zuhause bietet. Von uns als Gesellschaft braucht es das klare Zeichen, dass wir solche menschenfeindlichen Angriffe nicht dulden und Hass und Hetze keinen Platz in Sachsen haben", so Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Fraktion  im Sächsischen Landtag.

Das Spreehotel war schon in der  ersten Flüchtlingswelle im Dezember 2016 Ziel eines Brandanschlags. Damals wurden Molotowcocktails auf das Gelände geworfen. Drei junge Männer aus Bautzen Löbau und Zwickau waren ermittelt und ihnen der Prozess gemacht worden. Sie wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Audio:

LKA-Sprecher Kay Anders zum aktuellen Ermittlungsstand (11 Uhr)