- Das Industriemuseum Chemnitz sucht Geschirr, Fotos, Uniformen und persönliche Erinnerungen für seine große Mitropa-Ausstellung.
Bahnsteig & Besteck: Museum sucht Mitropa
Es sind Fotos, die einem sofort den Geruch nach Zigarette, Asche, Bier und Bockwurst ins olfaktorische Gedächtnis rufen.
Man, was waren das für Zeiten. Qualmende Männer warteten in der Mitropa auf die Züge, es wurde derb gescherzt, geflirtet und hin und wieder gab es Scharmützel. Und die Bahnhofskneipen, in denen der Mocca Edel, der Urahn und die Bierchen aus Mitropa-Geschirr gekippt wurden, waren ein Schmelztiegel der Gesellschaft.
Mittags, wenn zwischen elf und 14 Uhr Rauchverbot herrschte, wurden Broiler, Strammer Max, Soljanka, Karlsbader Schnitte und Scharfe Sache auf den typischen weißen Tellern mit dem grünen Rand serviert.
Und genau solche Geschirrteile und Geschichte werden jetzt in Chemnitz gesucht.
Erinnerungen an die Mitropa gesucht
Das Industriemuseum Chemnitz bereitet die Sonderausstellung „MITROPA – Zwischen Bahnsteig und Besteck“ vor. Sie läuft vom 13. November 2026 bis zum 25. April 2027.
MITROPA steht für „Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen-Aktien-Gesellschaft“. Der Name setzt sich aus MITteleuropa und EuROPA zusammen. Gegründet wurde das Unternehmen 1916. Es betrieb Speise- und Schlafwagen sowie Bahnhofsgaststätten. In der DDR gehörten auch Autobahnraststätten und Angebote auf Fähren dazu.
Geschirr, Uniformen und alte Fotos
Für die Ausstellung sucht das Museum Mitropa-Geschirr, Speisekarten, Uniformen, Fotos, Werbegrafiken und andere Erinnerungsstücke. Auch ehemalige Beschäftigte und Reisende können ihre Geschichten beisteuern. Kuratorin Anett Polig hofft dabei auf Schätze aus privaten Fotoalben und Schränken. Die Ausstellung soll die 110-jährige Geschichte der Mitropa erzählen. Klang-, Duft- und Mitmachstationen ergänzen Originalstücke, Speisekarten und Designklassiker.
Im Mittelpunkt stehen Reisen, Gestaltung, Arbeitsalltag und persönliche Erinnerungen. Leihgaben und Geschichten können bis zum 14. September 2026 beim Industriemuseum Chemnitz gemeldet werden.
