Behörden informieren Eckersbacher über Erstaufnahmeeinrichtung
Es war eine Hauruck-Aktion. Nachdem am Freitag bekannt geworden war, dass sofort 250 Flüchtlinge in die Scheffelbergsporthalle einziehen werden, mussten die Vereine die Halle schnell räumen. Überrumpelt wurden auch die Anwohner. Sie über die neuen Nachbarn auf Zeit zu informieren, dafür war zunächst keine Zeit. Doch Dienstagnachmittag haben die Behörden das nachgeholt.
17 Uhr, Hörsaal 1, WHZ-Campus. Eingeladen waren Hochschulmitarbeiter und Anwohner – etwa 60 kamen. Viele wohlgesonnen, einige ängstlich, wenige ablehnend. Wie können wir helfen, was brauchen die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien, darunter viele Kinder, dringend? Wie lange bleiben sie? Die wichtigsten Antworten:
1. Hilfe, ob personell oder mit Gütern, koordiniert das Rote Kreuz. Mail an fluechtlingshilfe@drk.de. Nicht einfach Sachen vorbeibringen!
2. Vor allem Helfer sollten ihren Impfstatus überprüfen. Aber keine Panik, das normale Impfpaket – wie in Deutschland üblich - reicht.
3. Mindestens über den Winter wird die Halle für Flüchtlinge genutzt. Alt-OB Rainer Eichhorn: "Wie lange darüber hinaus, kann jetzt keiner sagen, das wäre Kaffeesatzleserei." Noch für Dienstagabend wurden weitere Busse erwartet.
4. Die Flüchtlinge werden ärztlich grundversorgt, die Kosten übernimmt das Land.
5. Eine Ausgangsperre oder Polizeistunde gilt nicht - wie für niemanden in Deutschland. Aber die Flüchtlinge müssen sich an- und abmelden, und sie müssen in Zwickau bleiben.
6. In den max. drei Monaten, in denen die Menschen in der Sporthalle untergebracht sind, dürfen sie nicht arbeiten, Kinder dürfen nicht in die Schule gehen. Kindergärtnerinnen vom DRK übernehmen stundenweise Betreuung und Deutschunterricht.
7. Dolmetscher weisen die Ausländer auf deutsche Sitten und Umgangsformen hin.
8. Die Stadt Zwickau hat für die Unterbringung der bisher etwa 1.000 hier lebenden Flüchtlinge noch "keinen Cent" ausgegeben. (O-Ton Pia Findeiß)
9. Das alte Arbeitsamt an der Moseler Straße eignet sich nicht als Flüchtlingsunterkunft. Gründe sind schlechte sanitäre Bedingungen und fehlender Brandschutz.
10. Ob Terroristen im Flüchtlingsstrom mitschwimmen, ist nicht auszuschließen, denn "Terrorismus ist grenzenlos". O-Ton Rainer Eichhorn.
Nach der Einwohnerversammlung in der WHZ wurden in einem weiteren Forum andere geladene Anwohner darüber informiert, dass das Wohnprojekt Heisenbergstraße/Stauffenbergstraße von 50 auf 170 Flüchtlinge aufgestockt wird, auch dort sollen vorrangig Familien unterkommen.