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Bestürzung nach Tod von Christian Führer

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Mit Bestür­zung haben viele Leipziger, Freunde und Wegge­fährten auf den Tod des ehema­ligen Nikolai­kir­chen-Pfarrers Chris­tian Führer reagiert. Er war am Montag im Alter von 71 Jahren gestorben. Leipzigs Oberbür­ger­meister Burkhard Jung erklärte, die Stadt verliere mit ihm einen kriti­schen Geist, dessen Leben und Wirken untrennbar mit dem Herbst 1989 und dem Nieder­gang der DDR verbunden seien. Chris­tian Führer war 2008 in den Ruhestand gegangen. Damals verab­schie­dete er sich mit einem tradi­tio­nellen Friedens­gebet von seiner Gemeinde. Nach einem Herzstill­stand am Montag­morgen blieben Wieder­be­le­bungs­ver­suche in der Uniklinik erfolglos.Trauer­got­tes­dienst am SonntagDer Trauer­got­tes­dienst ist für Sonntag, 14 Uhr, in der Nikolai­kirche geplant. Die Beerdi­gung wird voraus­sicht­lich am selben Tag in Langen­leuba-Oberhain statt­finden. Dort war Führer aufge­wachsen. Erst im August vergan­genen Jahres war die Frau von Chris­tian Führer nach einem langen Krebs­leiden gestorben.Leben und Wirken1943 in Leipzig geboren, studierte Chris­tian Führer an der Karl-Marx-Univer­sität in den 1960er Jahren evange­li­sche Theologie. 1980 wurde er als Pfarrer an die Nikolai­kirche berufen. Großes Aufsehen erregte er 1986 mit einem simplen Schild, dessen Botschaft aber bereits eine erste Heraus­for­de­rung für die SED in der DDR war: "Nikolai­kirche – offen für alle". In den Folge­jahren wurden die seit 1982 statt­fin­denden Friedens­ge­bete immer mehr zu einem Treff­punkt all jener, die in und mit der DDR unzufrieden waren; Führer nahm sich der Ausrei­se­wil­ligen ebenso an wie er auch jenen eine Platt­form gab, die nicht ohne Trotz ausriefen: Wir bleiben hier! Die Montags­de­mons­tra­tionen im Anschluss an die Friedens­ge­bete gipfelten schlie­ß­lich in jener Demons­tra­tion von rund 70.000 Menschen, die am 9. Oktober 1989 das SED-Regime fried­lich zum Einsturz brachte und den Weg zum Fall der Mauer einen Monat später in Berlin ebnete.Nach der Wieder­ver­ei­ni­gung engagierte sich Chris­tian Führer unter anderem für Arbeits­lose und sparte auch mit grund­sätz­li­cher Kritik am Wirtschafts- und Sozial­system der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land nicht."Sein Mut war und ist beispiel­haft. Ich habe ihn als einen Menschen erlebt, der im festen Vertrauen auf seinen Glauben das Unmög­liche nicht nur zu denken wagte. Leipzig hat ihm für sein Wirken und ich persön­lich habe ihm als Ratgeber sehr viel zu verdanken", erinnerte Oberbür­ger­meister Burkhard Jung an Führer.In der vergan­genen Woche war Chris­tian Führer mit dem Deutschen Natio­nal­preis ausge­zeichnet worden, stell­ver­tre­tend für die Tausenden, die im Herbst vor 25 Jahren die SED heraus­for­derten – und gewannen.