- Mandy Boulgarides spricht vor etwa 150 Besuchern der Gedenkveranstaltung.
Bewegte Worte von der Tochter eines NSU-Opfers
Für Zwickau und ganz Deutschland war der 4. November vor 15 Jahren eine Zäsur, als das Terrortrio NSU aufflog. Für die Familie Boulgarides liegt der schmerzhafte Einschnitt 21 Jahre zurück. Theodoros Boulgarides wurde im Juni 2005 in München ermordet. Als seine Tochter Mandy am Mittwoch seinen Tod durch drei Kugeln schildert, ist zu hören, wie es sie aufwühlt. Es war das erste Mal, dass sie und andere Angehörige von NSU-Opfern der Einladung in den Dom St. Marien zu einer Gedenkveranstaltung gefolgt waren.
Mandy Boulgarides beschrieb, wie der Verlust das Leben der Familie verändert hat. Keiner kann das rückgängig machen. Was wir machen können, sagte sie, das ist, die Namen, Stimmen und Geschichten der Opfer zu bewahren. Vor ihrer Rede waren die Namen der zehn Menschen vorgelesen worden, die vom NSU ermordet wurden.
In den weiteren Reden wurde mehrmals darauf eingegangen, wie aktuell das Thema rechtsextreme Gewalt ist. Nationalismus, Rassismus und Intoleranz haben Konjunktur, sagte Oberbürgermeisterin Constance Arndt. Momo Ehmke, der beim Chemnitzer Doku-Zentrum mitarbeitet, nannte Zahlen zu rechtsmotivierten und rassistischen Angriffen: Seit 2011 wurden im Kreis Zwickau 343 Menschen Opfer von solchen körperlichen Attacken.
„Noch sind die Menschenfreunde in der Mehrheit“, sagte Britta Behrendt, Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt, doch sie müssen sich einschalten bei solchen Gewalttaten oder auch bei Parolen. Statt Hass sollte Liebe propagiert werden. Und das passierte tatsächlich am Ende der Veranstaltung: Drei Zwickauer Pfarrer und ein Imam warben für Nächstenliebe. Zu den Nächsten gehören die Opfer von Gewalt, ihre Angehörigen und die Gruppen, denen die Taten des NSU galten - ihnen sollte eine Stimme gegeben werden und ein Platz in unserer Mitte. Schließlich gehören auch die Täter dazu und alle, die mit ihnen sympathisieren - ihnen Umdenken und Umkehr zu ermöglichen, sei Nächstenliebe und Versöhnungsauftrag.
