Stützen sollen weitere Dresdner Brücke vor dem Einsturz bewahren
An der Brücke Budapester Straße in Dresden laufen die Tiefbauarbeiten für die Notstützen auf Hochtouren. Die Zeit drängt, denn das Schallmonitoring hat gezeigt, dass sich die Lage seit der Sperrung weiter verschärft hat: Allein im Bereich Ammonstraße sind seither sechs weitere Spanndrähte im Stahl gerissen.
„Ein von Gutachtern definierter kritischer Grenzwert liegt bei einer Reserve von maximal 16 Drahtbrüchen innerhalb eines Drei-Meter-Bereichs“, heißt es aus dem Rathaus. „Durch die jüngsten Risse ist dieser Puffer an der Achse C bereits geschrumpft.“
Um die Brücke zu entlasten, werden im Bereich der Ammonstraße vier Schwerlaststützen aus Stahl errichtet. Dazu muss demnächst wahrscheinlich auch ein Stück der Fahrbahn Richtung Wiener Tunnel gesperrt werden. In Richtung WTC ist die Fahrbahn bereits verengt.
Zweistufiges Konzept zur Stabilisierung
Aktuell laufen die Tiefbauarbeiten für die Fundamente, die rund zwei Meter tief in das Erdreich eingebracht werden müssen. Da sich im Untergrund historische Fundamente und diverse Versorgungsleitungen befinden, wird hier mit Sorgfalt und Vorsicht vorgegangen. Die Fertigstellung dieser Stahlstützen ist bis Ende Juli 2026 geplant. Sobald diese stehen, ist die Unterfahrt der Brücke auf der Ammonstraße gesichert und es werden wieder zwei Fahrspuren pro Richtung freigegeben.
In einem zweiten Schritt soll bis Mitte/Ende September 2026 der vorläufige Betriebszustand wiederhergestellt werden. Hierfür werden in drei weiteren Brückenfeldern insgesamt acht zusätzliche Unterstützungen aus verfüllten Beton-Brunnenringen aufgebaut. Ziel ist, auf der Brücke wieder eine Fahrspur pro Richtung für Fahrzeuge zuzulassen.
Kosten noch völlig unklar
Die Gesamtkosten für den Bau der Notunterstützungen stehen aktuell noch nicht fest, da die bauliche Umsetzung und die Ausschreibungen für die verschiedenen Gewerke parallel laufen, um keine Zeit zu verlieren.
Erhalt statt Abriss im Fokus
Sobald die Konstruktionen stabil stehen, werden die Bauwerksuntersuchungen fortgesetzt. Geplant sind weitere Bauteilöffnungen an der Unterseite, um ein ganzheitliches Bild des Brückenzustands zu bekommen. Die Errichtung der Gerüste dient dazu, den Verkehr baldmöglichst wieder aufzunehmen. Ziel ist es, das Bauwerk so zu ertüchtigen, dass es noch mindestens zehn Jahre zur Verfügung steht. Diese Zeitspanne soll genutzt werden, um einen geordneten Ersatzneubau vorzubereiten. Die Landeshauptstadt Dresden informiert fortlaufend über den weiteren Baufortschritt.
Stadträte drücken aufs Tempo
Die Stadträte fordern den OB auf, auch hier zeitnah mit den Planungen für eine neue Brücke zu beginnen. Mit Blick auf die unter der Brücke befindlichen Eisenbahnhauptlinien sei erfahrungsgemäß von langjährigen Abstimmungsprozessen mit der Bahn auszugehen, erklärte Veit Böhm, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.
„Ausgehend von den Erfahrungen mit dem Einsturz der Carolabrücke, welche gleicher Bauart war, ist, unabhängig von den aktuellen Notsicherungsmaßnahmen, aufgrund der an der Brücke Budapester Straße ebenfalls festgestellten Spanndrahtbrüchen, jederzeit mit einer dauerhaften Außerbetriebsetzung zu rechnen“, so Böhm. „Die Ausführungen zur Zukunft der Budapester Brücke haben gezeigt, dass dringend Handlungsbedarf in alle Richtungen erforderlich ist. Das muss ein Schwerpunkt für den nächsten Haushalt sein“.
