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Bus mit Flüchtlingen attackiert

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In Jahns­dorf hat es einen auslän­der­feind­li­chen Angriff auf einen Bus mit Flücht­lingen gegeben. Eine Gruppe von bis zu 30 Menschen griff am Donners­tag­abend das Fahrzeug bei der Ankunft an, teilte das Opera­tive Abwehr­zen­trum der Polizei in Leipzig mit. Die Stimmung sei sofort aggressiv gewesen. Drei bis sechs Täter hätten aus der Gruppe heraus Steine geworfen und Böller gezündet, sagte eine Sprecherin. Die Flücht­linge seien in Angst und Schre­cken versetzt worden. Der Busfahrer erlitt durch einen Böller eine Fußver­let­zung. Auch ein Mitar­beiter des Wachdienstes wurde getroffen, habe den Feuer­werks­körper aber noch mit seinem Fuß wieder aus der Gefah­ren­zone schießen können. Eine Fenster­scheibe des Busses wurde zerstört. Nach Angaben von OAZ-Sprecherin Kathleen Doetsch griff die Polizei sofort ein und stellte auch die Identität von Betei­ligten fest. Die Flücht­linge hätten die Unter­kunft anschlie­ßend nicht mehr beziehen wollen und seien in ein anderes Quartier gebracht worden. Das OAZ ermit­telt wegen Landfrie­dens­bruchs. "Wir werden den Verant­wort­li­chen für diesen feigen Gewalt­ex­zess den Prozess machen und sie zur Rechen­schaft ziehen", sagte Innen­mi­nister Markus Ulbig (CDU). Polizei und Staats­an­walt­schaft hätten in den vergan­genen Wochen mehrfach bewiesen, dass sie fremden­feind­liche Täter zügig entlarvten. Integra­ti­ons­mi­nis­terin Petra Köpping (SPD) forderte eine konse­quente Verfol­gung und Bestra­fung. "Eine kleine radikale und hochge­fähr­liche Minder­heit versetzt das ganze Land in Schre­cken", sagte Köpping. Ein Dialog sei sinnlos. Die Gemeinde distan­zierte sich von den Ausschrei­tungen und geht davon aus, dass die Krawall­ma­cher von außer­halb kamen. Das lasse sich aus ersten Infor­ma­tionen der Polizei ableiten, sagte Verwal­tungs­leiter Albrecht Spindler der Deutschen Presse-Agentur. In der Vergan­gen­heit habe es wieder­holt Proteste gegen das Contai­ner­dorf für Flücht­linge gegeben, aller­dings sei alles fried­lich geblieben. Bereits am Nachmittag sei ein Bus in Jahns­dorf angekommen mit 36 Flücht­lingen, die ohne Probleme die Wohncon­tainer bezogen hätten. Erst in den Abend­stunden sei es dann zu einer Eskala­tion gekommen. Jahns­dorf hat etwas mehr als 5600 Einwohner.In Sachsen war es in den vergan­genen Wochen und Monaten immer wieder zu gewalt­tä­tigen Ausschrei­tungen vor Asylbe­wer­ber­heimen gekommen, darunter in Freiberg, Freital und Meerane. Unlängst hatte die Infor­ma­ti­ons­platt­form „Medien­dienst Integra­tion“ erschre­ckende Zahlen vorge­legt. Demnach führt Sachsen 2015 mit großem Abstand die Liste auslän­der­feind­li­cher Übergriffe und Aktionen in Deutsch­land an. Bis Ende November wurde fast ein Viertel aller 2015 regis­trierten Brand­an­schläge auf Asylun­ter­künfte in Sachsen verübt. Insge­samt wurden demnach 459 Angriffe auf solche Einrich­tungen regis­triert. Sachsen liegt auch hier mit 126 Vorfällen an der Spitze. Die Daten stammen aus Zahlen der Polizei und von Opfer­be­ra­tungen, hieß es.