- Das frühere Eisenwerk, im Volksmund „die Fackel“ genannt
- Abstimmung über die Zukunft des ehemaligen Eisenwerkes
„Fackel“: Zwickauer Stadtrat sagt Ja zu Möbelhaus-Plänen
Die Industriebrache an der Leipziger Straße verschwindet endlich. Na und? Dafür droht woanders neuer Leerstand! Das waren zwei Hauptargumente in der Kontroverse am Donnerstag zur Zukunft des ehemaligen Eisenwerkes. Nach anderthalb Stunden entschied sich im Stadtrat die große Mehrheit für die Pläne des Investors, auf der Fläche zwei Möbelhäuser zu errichten.
Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, dieses Vorhaben abzulehnen. Oberbürgermeisterin Constance Arndt verwies in ihrer Rede auf das Einzelhandels- und Zentrenkonzept, das nach ihren Worten für eine nachhaltige und gesunde Entwicklung sorgen soll. Sie sprach von einer Überversorgung im Handel, besonders beim Möbelhandel. Es gebe über 50 Unternehmen in Zwickau mit einem Sortiment des Möbelhandels. „Es geht darum, Leerstände von morgen zu vermeiden“, erklärte Constance Arndt. Auch die Innenstadt könnte darunter leiden, denn ein Viertel des geplanten Sortimentes sind Artikel, die im Stadtzentrum angeboten werden.
Bernd Rudolph, BSW, gehörte zu den wenigen Stadträten, die der Oberbürgermeisterin folgten. Wenn hier vom beschlossenen Einzelhandelskonzept abgewichen wird, sei das ein Präzedenzfall, sagte er, dann könne der Stadtrat das Konzept in den Papierkorb werfen.
Die CDU hatte bereits im September die Gegenposition bezogen und einen Änderungsantrag vorgelegt – dass der Entwicklung des Areals zum Möbelhaus-Standort zugestimmt wird. Benjamin Strunz erklärte am Donnerstag, warum sich seine Fraktion für die Pläne stark macht. Die Ansiedlung bringt Jobs und Steuereinnahmen und sie macht die Stadt attraktiver, der Einzelhandel werde insgesamt belebt, so Benjamin Strunz.
Am Anfang der Rede stand allerdings ein anderer Gedanke: „Es geht um die Revitalisierung einer Industriebrache“, sagte der Unternehmer, es bestehe die riesengroße Chance, den Schandfleck wegzubekommen. Andreas Wolf von der AfD erinnerte daran, dass knapp 30 Jahre kein Konzept vorgelegt wurde: „Man muss dankbar sein, wenn sich jemand findet, der den Mut hat, hier zu investieren“. Tristan Drechsel, BfZ, nannte das eine Sensation, denn Großinvestoren würden einen Bogen um Zwickau machen, seit die Stadt weniger als 100.000 Einwohner hat.
Wie es heißt, wären die beiden Möbelhäuser in Zwickau eine Premiere in Ostdeutschland oder zumindest in Sachsen. „Wenn Zwickau Nein sagt, wird ein paar Kilometer weiter gebaut“, sagte Lars Dörner, Progressive Demokraten. Diese Befürchtung sprachen mehrere Redner aus. Angeblich ist Gera als Alternative im Gespräch.
Das Votum fiel am Ende klar aus. 38 Stadträte folgten der Empfehlung des Bauausschusses und damit dem Vorschlag der CDU, fünf stimmten dagegen, drei enthielten sich. Die Stadtverwaltung wird jetzt die Bauleitplanung vorbereiten. An den potenziellen Investor geht die Botschaft: Danke für Ihr Interesse, willkommen in Zwickau!

