• Blick in das Stadion in Eckersbach. (c) Hendrik Schmidt/ dpa

FSV Zwickau arbeitet "mit Hochdruck" an Schließung der Etatlücke

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Drittligist FSV Zwickau muss dringend seine Lücke im Etat schließen. Die Verhandlungen über ein Darlehen laufen. Um den Verein für die Zukunft auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen, will auch ein ehemaliger Spieler mit anpacken und Verantwortung übernehmen.

Es wird ein Kampf gegen die Zeit. Der Fußball-Drittligist FSV Zwickau konnte die Lücke in seinem Etat für die laufende Saison zwar schon um 295 000 Euro verkleinern, doch bis zu diesem Mittwoch muss der Verein gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weitere 375 000 Euro nachweisen. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, im Rahmen der Nachlizenzierung die Auflagen zu erfüllen», erklärte Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV. Um drohende Sanktionen seitens des DFB abzuwenden, ist der Verein gezwungen, ein Darlehen aufzunehmen. Gespräche über einen Kredit werden mit einer Bank und einem privaten Investor geführt. Was noch fehlt, sind Unterschriften.

«Insbesondere die Volksbank muss mit uns noch über Sicherheiten reden», erklärte Leege, der auch im ständigen Austausch mit dem DFB steht. Der Verband hatte vom FSV im Dezember zunächst einen Nachweis über 740 000 Euro an liquiden Mitteln gefordert. Die Summe wurde nach einer erfolgreichen Beschwerde der Zwickauer später auf 670 000 Euro reduziert. Dank einer Stundungsvereinbarung mit Vermarkter «U! Sports» über die Provisionszahlungen konnte der FSV gegenüber dem DFB bereits 295 000 Euro an Einsparungen nachweisen.

Sollten die Westsachsen bis zum Stichtag am Mittwoch die Etatlücke nicht vollständig schließen können, kann der DFB dem FSV mit einer Geldstrafe belegen und darüber hinaus auch Punkte in der laufenden Meisterschaft abziehen. Sofern von der festgestellten Liquiditätslücke bis einschließlich 50 Prozent geschlossen werden, droht der Abzug von zwei Zählern, bei mehr als 50 bis 90 Prozent wäre es laut den DFB-Statuten nur ein Punkt.

Bereits Ende November hatte der FSV seine angespannte finanzielle Lage öffentlich gemacht. Der Verein hatte die Deckungslücke mit der Aufstockung des Etats für die Profimannschaft von den ursprünglich geplanten 2,0 auf 2,6 Millionen Euro begründet. «Mit dem zunächst kalkulierten Betrag von rund 2 Millionen Euro wären wir in der 3. Liga sportlich nicht wettbewerbsfähig gewesen», verteidigte Leege auf der Mitgliederversammlung des FSV am vergangenen Sonntag noch einmal die Erhöhung des Budgets. «Wir mussten mehr für den sportlichen Erfolg und in die Attraktivität des Fußballs investieren, um auf der anderen Seite höhere Erlöse zu erzielen.»

Im bislang guten Abschneiden der Mannschaft von Trainer Joe Enochs sehen sich Leege und die anderen Verantwortlichen in ihrem Vorgehen bestätigt. Der FSV rangiert nach der ersten Saisonhälfte mit 25 Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz. Der Zuschauerschnitt stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4985 auf 5459 Besucher pro Spiel.

Um in der 3. Liga auch wirtschaftlich dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, wollen und müssen die Zwickauer in Zukunft andere Wege gehen. «Um neue Einnahmequellen zu erschließen und für Investoren interessant zu sein, ist die Ausgliederung der Profimannschaft zwingend erforderlich», sagte Ingo Kursawe, Mitglied im alten und neuen Aufsichtsrat des FSV. Dem Gremium gehört seit Sonntag mit Robert Paul auch ein ehemaliger Zwickauer Spieler an.

Paul, der von 2011 bis 2017 das Trikot des FSV getragen hatte und inzwischen als Immobilienkaufmann arbeitet, erhielt mit 255 die meisten Stimmen bei der Aufsichtsratswahl. «Als ich 2011 zum Verein kam, waren wir noch Welten vom jetzigen Standpunkt entfernt. Die Spieler gingen tagsüber arbeiten oder einer Ausbildung nach», wird Paul in der «Chemnitzer Morgenpost» (Dienstag) zitiert.

Als der FSV-Vorstand im November aufgrund der Deckungslücke sogar die Drittligazugehörigkeit in Frage stellte, habe Paul für sich beschlossen, dem Verein zu helfen. «Ich empfand den angebotenen 'freiwilligen Rückzug' in die Regionalliga als Bankrotterklärung, weil ich weiß, wie hart für die 3. Liga gearbeitet wurde. Mit meiner sportlichen Erfahrung und den Kontakten in die Wirtschaft will ich jetzt mit anpacken», meinte Paul. (dpa)