Lehrer befürchten Chaos zum Schulstart nach Ostern

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Nach den Osterferien startet am Montag wieder der Unterricht an den Schulen in Sachsen - auch Grundschüler müssen sich dann zwei Mal pro Woche einem Test unterziehen. Die Schulen wurden dafür vom Land mit Selbsttestkits ausgestattet. Allerdings gibt es dabei noch viele offene Fragen.

Lehrer befürchten, dass die Jüngsten mit der Prozedur überfordert sind. Helfen dürfen sie in dem Fall nicht, denn die Tests müssen die Kinder komplett allein durchführen. „Es ist ein Unterschied, ob ein Oberschüler den Test selbstständig machen soll oder ein Erstklässler“, sagt zum Beispiel Grundschullehrerin Doreen Mende (Name von der Redaktion geändert). „Ich darf weder eingreifen noch Hilfestellung geben. Wenn dann noch eine unruhige Klasse vor uns sitzt, wird es noch schwieriger. Wie stellt sich das Kultusministerium das alles vor?“

Auch der zeitliche Rahmen und die Auswirkungen auf den Unterricht sind nicht geklärt. „Wir Lehrer müssen uns ja auch erst mal testen lassen. Erst dann sind die Kinder an der Reihe, die ja auch teilweise zu unterschiedlichen Zeiten in die Schule kommen“, so Mende. Sie hat auch die Befürchtung, dass Kinder bei einem positiven Testergebnis diskriminiert werden könnten. „Über das Testergebnis darf nicht gesprochen werden. Wir sollen es aber einsammeln, auswerten und dokumentieren. Wie soll das diskret gehen, wenn alle zusammen in einem Raum sitzen?“, fragt die Lehrerin. „Wenn ein Kind positiv ist und ich es rausschicken muss, kann ich ihm auch gleich die Geburtstagskrone aufsetzen.“

Ein weiteres Problem: für den Test am Montag braucht es eine Einwilligungserklärung der Eltern. Das Dokument müsste eigentlich am Montag ausgefüllt vorgelegt werden, doch viele Eltern haben es noch nicht oder können es nicht selbst ausdrucken. Der Test kann auch vorab zu Hause gemacht werden. Dann muss allerdings eine sogenannte „qualifizierte Selbstauskunft“ vorgelegt werden. Das Formular gibt es hier. Es muss vom Schüler sowie bei Minderjährigkeit auch von einem Sorgeberechtigten unterschrieben werden.

Stimmen die Eltern einem Test nicht zu, dürfen die Kinder die Schule nicht betreten und müssen zu Hause lernen. Laut Kultusministerium sollen sie die Lehrer mit Aufgaben versorgen. Mit einer vollumfänglichen Betreuung ist dann aber nicht zu rechnen. Grundschullehrerin Doreen Mende fühlt sich unter Druck gesetzt: „Wenn ich jeden Tag in Präsenz unterrichte, wie soll ich da noch Aufgaben für die Schüler daheim verteilen und kontrollieren? Das können wir Lehrer einfach nicht stemmen.“

Mende und ihre Kolleginnen blicken mit Sorge auf dem Unterrichtsbeginn am Montag. „Die eigentliche Unterrichtsvorbereitung bleibt fast auf der Strecke. Wir schlagen uns wohl auch am Wochenende mit organisatorischen Dingen herum“, so Mende. Dazu gehört auch, die vielen Mails von besorgten und wütenden Eltern zu beantworten, die mit den Regelungen ebenso überfordert sind.