Gysi in Zwickau: Landtag ohne Linke – das wäre skandalös!
Etwa 200 Menschen sind es am Dienstagmittag auf dem Zwickauer Hauptmarkt bei herrlichem Gartenwetter, vor allem ältere. Einige sitzen in der prallen Sonne, viele im Schatten. Gregor Gysi spricht über eine Dreiviertelstunde, er spricht gefühlt über hundert Themen, aber die Leute bleiben, hören zu und applaudieren dann und wann.
Gregor Gysi ist gekommen, um seinen Parteifreunden in Sachsen zu helfen, im Landtag zu bleiben. Es sei noch alles drin, sagt er. Ohne die Linke gäbe es keine Stimme mehr für soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik. „Es wäre skandalös, wenn die Linke nicht in den Landtag einzieht.“
Punkten will Gysi wohl vor allem mit den sozialen Themen. Armut auf der einen Seite und wachsender Reichtum auf der anderen Seite. Die fünf reichsten Männer in Deutschland hätten soviel Geld wie 42 Millionen im ärmeren Teil der Gesellschaft, so der populärste Linke. „Es geht für einen Teil bergab und für einen kleinen Teil bergauf – das muss gestoppt und geändert werden!“
Ein anderes Thema sind die Ostdeutschen. Deren Seele streichelt Gysi und verlangt gleiche Rechte für alle in Ost und West, unter anderem gleiche Löhne. Dass nur sieben Prozent der Führungskräfte Ostdeutsche sind, hält der Jurist für verfassungswidrig.
Mit den Kontrahenten beschäftigt sich Gregor Gysi wenig. Er übt Selbstkritik – die Linke habe Fehler gemacht, räumt er ein, sie lernt nach seinen Worten aber daraus, zieht Konsequenzen. Und der Berliner gibt auch den Entertainer. Er berichtet zum Beispiel von einem unterbrochenen Telefongespräch in Deutschland und dem stabilen Internet in jeder Ecke von Uganda und meint, dass die Bundesregierung Entwicklungshilfe in Uganda beantragen soll.