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HBK rotiert wegen Corona

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„Die Situation am Klinikum hat sich gegenüber den Vorwochen weiter zugespitzt. Aktuell haben wir im Schnitt zwischen 70 und 90 infizierte Patienten in stationärer Behandlung, über 20 von ihnen bedürfen einer intensivmedizinischen Betreuung. Teilweise haben wir bis zu zehn Neuaufnahmen von SARS-CoV2-positiven Patienten täglich.“

So beschrieb das Heinrich-Braun-Klinikum am Donnerstag die Lage. Es rechne damit, dass die Zahl der Corona-Patienten weiter zunimmt, hieß es weiter in dem Statement zu unserer Anfrage. Das HBK ist deshalb dabei, weitere Umstrukturierungen vorzunehmen. Eine Isolierstation ist bereits in Betrieb, eine zweite wird vorbereitet. Fünf Normalstationen wurden geschlossen. Auch von zunehmender Erschöpfung der Mitarbeiter war die Rede.

Hier einzelne Fragen und Antworten im Wortlaut:

Sind die Kapazitäten erschöpft? Würden Sie von Überlastung sprechen?

Insbesondere die Intensivstationen haben ein hohes Aufkommen an COVID19-Patienten zu bewältigen. Von den rund 50 Intensivbetten sind über 20 mit COVID19-Patienten belegt.Darüber hinaus gibt es weiterhin ein hohes Notfallaufkommen – zum Beispiel Schlaganfälle, Herzinfarkte, Unfälle. Diese insgesamt sehr hohe Beanspruchung der Intensivkapazitäten und damit einhergehend der Personalkapazitäten führt dazu, dass elektive Patienten nur sehr eingeschränkt einbestellt werden können und eine dringende, medizinische Behandlungsnotwendigkeit bestehen muss.

Mussten schon Corona-Patienten an andere Klinken abgegeben werden?

Täglich erreichen uns Anfragen nach Übernahmen von COVID19-Patienten aus anderen Landkreisen, die wir oft annehmen können aber auch schon aufgrund fehlender Kapazitäten ablehnen mussten. Bei medizinischer Notwendigkeit haben wir in Einzelfällen COVID-Intensivpatienten an benachbarte Uniklinika verlegt.

Wie viele Corona-Stationen gibt es? Gibt es noch Möglichkeiten, irgendwo aufzustocken?

Aktuell werden in drei Intensiv-Bereichen COVID19-Patienten betreut. Die Möglichkeit desAufstockens in diesen Bereichen ist erschöpft, da die notwendige Medizintechnik sowie die Personalressourcen begrenzt sind. Im Normalstationsbereich betreiben wir aktuell eine Isolierstation für infizierte Patienten mit Lungenbeteiligung. Eine zweite Isolierstation ist in Vorbereitung und kann bei Bedarf ab kommender Woche in Betrieb gehen.

Wie ist die personelle Lage? Wie wirken sich Corona-Erkrankungen und Quarantäne aus?

Wir sehen uns mit einer großen Belastung des Personals bei gleichzeitigem, relevanten Personalmangel konfrontiert, dem verschiedene Aspekte zu Grunde liegen: Neben Quarantänen, Ausfällen durch fehlende Kinderbetreuung und saisonalen Infekten, macht sich eine zunehmende Erschöpfung der Mitarbeiter bemerkbar. Die angesichts der heftigen vierten Welle benötigten Kraftreserven, sind zum Teil nicht mehr vorhanden.

Hinzu kommen die neuen Test-, Dokumentations-, und Meldevorschriften, die seit dieser Woche gelten und einen erheblichen organisatorischen und zeitlichen Aufwand nach sich ziehen. Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten Entlastung zu schaffen und haben aktuell bereits fünf Normalstationen geschlossen, um Personal in den anderen Bereichen zu konzentrieren.