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Hier verschwindet Chemnitz-Luchs Lotta im Wald

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Ein Schritt, dann noch einer. Lotta setzt vorsichtig ihre großen Pfoten ins Grün. Hinter ihr stehen noch Transportkiste und Menschen, vor ihr beginnt dichter Wald. Um den Hals trägt die junge Luchsin einen Sender. Wenige Augenblicke später verschlucken Büsche und Bäume die Katze. Aus dem Chemnitzer Wildgatter wird an diesem Montag ein echtes Wildtier.

Von Oberrabenstein ins Westerzgebirge

Seit heute streift Lotta durch die Wälder im Forstbezirk Eibenstock. Die etwa einjährige Luchsin wurde im Wildgatter Oberrabenstein des Tierparks Chemnitz geboren. Dort hat das Zuchtpaar inzwischen zum vierten Mal Nachwuchs bekommen.

Ganz allein startet Lotta nicht in ihr neues Leben. Wenige Minuten nach ihr sprang auch Luca aus seiner mit Stroh ausgelegten Transportkiste. Der gleichaltrige Kuder stammt aus dem belgischen Tierpark Domaine des Grottes de Han. Luca ist der Bruder von Anton, der 2024 ebenfalls im Erzgebirge ausgewildert wurde, wenige Monate später jedoch bei einem Verkehrsunfall starb.

Fit für ein Leben ohne Zaun

Wie bereitet man einen Luchs auf Freiheit vor? Lotta und Luca zogen im Frühjahr ins Wildkatzendorf Hütscheroda. Dort lebten sie möglichst ohne Kontakt zu Menschen. Beide bestanden vor ihrer Freilassung die nötigen Gesundheits- und Verhaltenstests.

Mit den beiden Neuzugängen wurden seit 2024 insgesamt neun Luchse im Westerzgebirge ausgewildert. Das Projekt „RELynx Sachsen“ läuft seit 2022. Bis 2027 sollen rund 20 Karpatenluchse freikommen. Die Kosten liegen bei rund 1,8 Millionen Euro. Ziel ist eine stabile Population, die langfristig Luchsvorkommen vom Harz und Thüringen bis nach Tschechien und weiter Richtung Karpaten miteinander verbindet.

Nachwuchs macht Hoffnung

Dass die Tiere im Erzgebirge nicht nur überleben, zeigt Luchsin Alva. Sie bekam bereits zum zweiten Mal Nachwuchs. Wildkameras lieferten im Juli Bilder von zwei Jungtieren beim Spielen und Erkunden. Ihre Geschwister aus dem Vorjahr sind inzwischen weitgehend selbstständig und noch immer im Projektgebiet unterwegs. Hier erfahren Sie, wie es unseren Luchsen geht.

Jede Auswilderung bringt außerdem neue Gene in die kleine Population und stärkt damit ihre Chancen auf Dauer.

Und Lotta? Die ist längst zwischen Farnen, Sträuchern und Bäumen verschwunden. Genau so soll es sein: Je seltener Menschen sie zu Gesicht bekommen, desto besser ist sie in ihrem neuen Leben angekommen.