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Jeder Siebte Sachse hat Lese- und Schreibprobleme

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Auch in Sachsen kann etwa jeder Siebte im Erwerbs­alter nicht richtig lesen und schreiben. Nach Schät­zungen der Koordi­nie­rungs­stelle Alpha­be­ti­sie­rung koalpha liegt die Zahl der „funktio­nalen Analpha­beten“ unter den 18- bis 65-Jährigen bei rund 350.000. Für sie sind schon Fahrpläne, Aufklä­rungs­bögen beim Arzt oder Behör­den­post eine Heraus­for­de­rung. Auch die Antwort auf den Eltern­brief der Schule oder die Etiketten im Super­markt werden da zum Problem, wie ein Sprecher des Kultus­mi­nis­te­riums am Montag im Vorfeld des Weltal­pha­be­ti­sie­rungs­tages (8. September) sagte.Der Freistaat inves­tiert bis 2020 weitere 15 Millionen Euro aus dem Europäi­schen Sozial­fonds (ESF) und dem Landes­haus­halt vorwie­gend für Alpha­be­ti­sie­rungs­kurse. Von 2007 bis 2013 flossen bereits rund 15,9 Millionen Euro, rund 3.250 Betrof­fene nahmen an Kursen teil. „Das Problem zieht sich durch alle Alters­gruppen“, sagte eine Sprecherin von koalpha. Oft kämen Menschen in Notsi­tua­tionen, „wenn der Partner durch Tod oder Trennung nicht mehr hilft“. Aber auch Kinder oder Enkel und die gestie­genen Anfor­de­rungen im Job seien eine Motiva­tion, noch Lesen und Schreiben zu lernen.Etwa ein Drittel der „funktio­nalen Analpha­beten“ ist zwischen 50 und 64 Jahre, ein Fünftel zwischen 18 und 29 Jahre alt, sagte Philip Wiegand vom Service­büro „Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt“ des Bundes­bil­dungs­mi­nis­te­riums. „Viele haben Lesen und Schreiben einfach verlernt.“ Vor allem die, die in der Schule Schwie­rig­keiten damit hatten, versuchten as auch im Beruf zu umgehen. Die meisten Betrof­fenen sind auch erwerbs­tätig, arbeiten im Handwerk, auf dem Bau, in Gastro­nomie, Gebäu­de­rei­ni­gung oder Garten- und Landschaftsbau - unter­stützt von Kollegen und Freunden. Dabei wäre es der größere Freund­schafts­dienst, sie zur Teilnahme an einem Kurs zu bewegen, hieß es. „Es ist nie zu spät, es wieder zu lernen.“(dpa)