Katjes übernimmt Haribo in Wilkau-Haßlau NICHT
Das Haribo-Werk in Wilkau-Haßlau steht endgültig vor dem Aus. Es habe sich kein Käufer für die Immobilie gefunden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Es werde das Gespräch mit der Stadtverwaltung gesucht, „um das Gelände anderweitig zu entwickeln“. Die Absage überrascht, weil zuletzt Gespräche mit Konkurrent Katjes Hoffnungen genährt hatten. Thomas Lißner von der Gewerkschaft NGG nannte den gescheiterten Verkauf einen „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.“ Es sei allein Haribo anzukreiden, dass es für den Süßwarenstandort keine Zukunft gebe.
Sabine Zimmermann, Abgeordnete der Linken im Bundestag, sieht ihre Befürchtungen bestätigt: „Nun bewahrheitet sich, was viele bereits vermutet haben. Der mögliche Fortbestand des Haribo-Werkes in Wilkau-Haßlau durch potenzielle Investoren war reine Hinhaltetaktik der Haribo-Geschäftsführung, um den Protest kleinzuhalten und die Situation schönzureden.“ Seit Ende 2020 ruht die Produktion in dem Werk. Haribo hatte die Schließung mit immensen Investitionen begründet, die dort nötig seien.
Das Gelände solle künftig „im Sinne der Bürger“ genutzt werden, erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter von Haribo, Hans Guido Riegel. „Ökonomische Interessen unsererseits stehen dabei ausdrücklich nicht im Vordergrund.“ Riegel verwies auf den Sozialplan für die 119 betroffenen Beschäftigten. Knapp 80 hätten bereits eine neue Arbeit gefunden oder gingen in den Ruhestand. Riegel: „Wir sind aufgrund der positiven Lage am Arbeitsmarkt in der Region sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah die meisten Mitarbeitenden wieder in neue Anstellungen bringen – das zeigt die Entwicklung der letzten beiden Monate sehr deutlich.“ Kündigungen seien bereits ausgesprochen und würden für einen Teil der Belegschaft Ende März wirksam, hieß es.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber verwies darauf, dass ab Dienstag ein Personalexperte von Haribo vor Ort sein wird und in enger Abstimmung mit der Agentur für Arbeit zum Beispiel spezielle Bewerbertrainings, Hilfestellungen und konkrete Vermittlungen durchführen. „Jeder, der das möchte, soll ein anständiges Angebot erhalten“, sagte Körber.
In Wilkau-Haßlau wurden schon zu DDR-Zeiten Gummibären & Co produziert, 1990 übernahm Haribo das Werk. Als der Goldbären-Produzent im November seine Schließungspläne öffentlich machte, folgte eine Welle des Protests: Mehrere Demonstrationen, eine Online-Petition, auch der Bundestag befasste sich mit dem Fall. (mit dpa)