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Mit Blaulicht geblitzt: Bürgermeister erklärt, warum Feuerwehrmann trotzdem zahlen soll

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Riesenärger um ein Blitzer-Foto eines Feuerwehrmanns in Taucha. Der 55-Jährige ist letztes Jahr im Mai im Feuerwehrwagen mit Blaulicht auf dem Weg zu einem Einsatz zu schnell gewesen. Und zwar deutlich zu schnell: Er wurde mit rund 72 km/h in einer Baustelle geblitzt, wo nur 30 erlaubt waren. Bürgermeister Tobias Meier wollte ihm daraufhin das Bußgeld zwar erlassen, dafür sollte der Feuerwehrmann aber etwas an eine Einrichtung für Verkehrserziehung spenden. Daraufhin hat der Mann die Feuerwehr aus Frust nach über 30 Jahren verlassen - und der Wehrleiter von Taucha ist gleich mit zurückgetreten. 

Im Interview hat uns der Bürgermeister nun ausführlich erklärt, warum es eine sehr schwere Entscheidung für ihn gewesen sei und er den Strafzettel nicht einfach in den Müll schmeißen konnte …

Schnell fahren ja, Rasen nein

Nach Abzug der üblichen 3 km/h waren es immer noch 39 zu viel in der Baustelle. „Gleich nach der Baustelle befindet sich auch eine Kreuzung, die von Schülern genutzt wird“, so Meier. „Ich will mir nicht ausmalen, was da hätte passieren können.“ Grundsätzlich verfahre man in Taucha nach dem Grundsatz, dass Strafzettel für geblitzte Feuerwehrleute bei bis zu 20 km/h Überschreitung ad acta gelegt werden. Bei mehr entscheide man je nach Situation. Und das wüssten auch Feuerwehrleute, die länger dabei seien.

Im konkreten Fall sei es so gewesen, dass die Brandmeldeanlage an einer Grundschule nachmittags einen Alarm ausgelöst hatte. Doch an der Schule wurde zu der Zeit noch gar nicht unterrichtet, was allgemein bekannt gewesen sei. Es habe also keine Lebensgefahr bestanden und es wäre nicht auf jede Minute angekommen. Außerdem sei bereits ein Feuerwehrfahrzeug vorausgefahren. 

Generell gelte ohnehin: Schnell und auch zu schnell fahren dürfen die Kameraden natürlich, um rechtzeitig bei einem Einsatz zu sein. Doch Rasen sei natürlich nicht erlaubt. Denn dadurch gefährde man andere Verkehrsteilnehmer und das sei ja nicht der Sinn eines Rettungseinsatzes.

Gericht soll nun entscheiden

Meier bedauert, dass es letztlich zu keiner Einigung gekommen sei. Er gibt auch zu, dass er sich nicht ganz sicher ist, ob er richtig entschieden hat. Nun kommt die Sache vermutlich vor Gericht und ein Richter muss abwägen …

UPDATE Donnerstag, 12. März (13.45 Uhr)

Der frühere Wehrleiter Cliff Winkler hat uns erklärt, dass sein betroffener Kollege „eine höhere Summe spenden sollte, als das Bußgeld betragen hätte.“ Und: „Das käme für ihn einem Schuldeingeständnis gleich.“

Außerdem hat er zu dem Sachverhalt erklärt: „Die Stelle an der der Kamerad geblitzt wurde ist sehr gut einsehbar und es wurde weder jemand gefährdet oder behindert. Es befanden sich zu diesem Zeitpunkt keine Menschen auf der Straße. Das sich die Schule noch im Bau befand ist richtig jedoch waren dort auch Firmen tätig.“ Zwar habe keine Gefahr für Kinder, wohl aber für die Arbeiter bestanden. 

Auch nicht erwähnt worden sei vom Bürgermeister, dass das vorausfahrende Fahrzeug „unterbesetzt war und somit gar nicht hätte ausrücken dürfen“. Winkler sei seit 2007 als Maschinist bei der Feuerwehr tätig und bis zu seinem Rücktritt 15 Jahre lang Wehrleiter. „Von einer 20 Km/h Regelung, die Herr Meier angesprochen hat, wissen wir nichts.“

Audio:

Tauchas Bürgermeister Tobias Meier erklärt im Interview mit Reporter Frank Selig, warum man den Strafzettel aus seiner Sicht nicht einfach in den Papierkorb habe werfen können: