Neuer Ärger auf der JVA-Baustelle
Auf der ruhenden JVA-Baustelle in Zwickau-Marienthal sind die Probleme größer als bisher bekannt. Das sächsische Finanzministerium teilte am Montag auf Anfrage unseres Senders mit, dass eventuell „ein Teilrückbau mangelhafter technischer Anlagen und einzelner Bauteile“ erforderlich ist. Dieses Szenario sei in Prüfung. Konkret handele es sich „gegebenenfalls um Maßnahmen im Inneren der schon errichteten Gebäude“. Zuerst hatte die Thüringer Allgemeine berichtet. Sachsen baut die Haftanstalt zusammen mit Thüringen für eine gemeinsame Nutzung.
Hintergrund: Der Freistaat Sachsen hatte dem Generalplaner im Oktober 2023 gekündigt und danach die S&P Sahlmann Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH Leipzig beauftragt. Der neue Generalplaner hat die vergangenen Wochen und Monate genutzt, um sich vor Ort ein umfängliches Bild zu verschaffen. Mehrere hundert Seiten starke Unterlagen wurden zum Jahresende vorgelegt. Die beleuchten verschiedene Szenarien zum weiteren Fortgang des Neubaus – inklusive eines Teilrückbaus.
Gegenwärtig erfolgt eine baufachliche Prüfung und Bewertung dieser Szenarien, so das Ministerium. Konkrete Aussagen könnten erst getroffen werden, wenn diese Bewertung Ende März abgeschlossen ist. Weitere Ausführungen seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, lautet die Antwort auf unsere Frage nach zu erwartenden Kostensteigerungen und weiterem Bauverzug.
Das neue Gefängnis soll mehrere Justizvollzugsanstalten in Sachsen und Thüringen ersetzen und moderne Haftbedingungen schaffen. Es soll bis zu 820 Gefangenen Platz bieten - 450 aus Sachsen und 370 aus Thüringen. 2014 hatten beide Länder dafür einen Staatsvertrag geschlossen. Doch für das Projekt gab es immer wieder Rückschläge. Ursprünglich sollten 2019 die ersten Häftlinge einziehen. Nicht nur der Eröffnungstermin wurde immer wieder verschoben. Auch die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. Sie haben sich von anfangs 150 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Die Bauarbeiten hatten in Zwickau im Sommer 2019 begonnen. Auf einer Fläche von mehr als 30.000 Quadratmetern wurden sechs Hafthäuser für geschlossenen und eines für offenen Vollzug hochgezogen sowie eine sechs Meter hohe Mauer. Das Gefängnis wird auch eine Sporthalle, Arbeitsbetriebe, Multifunktionsgebäude und ein Besucherzentrum umfassen. (mit dpa)