Neuer Bildband: faszinierende Fotos vom Aufschwung
Das Stadtarchiv hat vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt in seine Schatztruhen gegriffen und in diesen Tagen den Bildband „Zwickau um 1880“ auf den Markt gebracht. Es handelt sich um die ältesten Fotos aus dem Bestand, und sie führen den Betrachter in eine Blütezeit der Stadt – Bilder und Texte, die beeindrucken und guttun.
Auf Seite 40 ist ein gestochen scharfes Foto von einem Haus am Postplatz zu sehen, heute Ecke Marienstraße/Mariengässchen. Dort befand sich das Atelier des Fotografen Ernst Moritz Fickenwirth, eröffnet 1867. Ihm sind fast alle Fotos im Bildband zu verdanken – 61 von 64. Glück für Zwickau, dass ein Stadtbewohner damals diese noch recht junge Technik und Kunst beherrschte.
Es wäre schade gewesen, wenn es keine Fotos aus diesen Jahren gäbe. „Man kann auf jeden Fall sagen, dass die Zeit von 1870 an bis in die 80er Jahre hinein ein Zeitraum der Modernisierung war und auch eine Zeit des Aufschwungs – sowohl wirtschaftlich, als auch gesellschaftlich“, sagt Marcus Mühle, einer der beiden Autoren. Dass Zwickau in der Zeit gewachsen und aufgestiegen ist, zeigen zum Beispiel Bilder von Schulen oder von stattlichen Gebäuden wie dem Landgericht – auch als Baustelle –, dem Postamt, dem alten Bahnhof, der Kaserne oder dem Sitz der Kreishauptmannschaft.
Zu sehen sind Bauwerke, die heute noch zum Stadtbild gehören, aber eben in dieser Zeit und mit ihrer damaligen Nachbarschaft. Und es sind Gebäude zu sehen, die anderen Platz machen mussten wie das „Hotel zur grünen Tanne“ oder die Papierfabrik in der Nähe der Paradiesbrücke. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt auch interessante Details, wie eine Handpumpe neben der Marienkirche, Litfaßsäulen, Zwickauer mit Zylinder oder die Droschken. Und wer die Texte liest, erfährt zum Beispiel, dass es für die Kutscher ein Tempolimit gab und Verstöße 14 Tage Haft bedeuten konnten.