Neues Windrad nur 700 Meter neben dem Wohnhaus - in St. Egidien gibt's das!
Wenn Frank Heilmann in den Garten geht, setzt er inzwischen Kopfhörer auf. Die Geräusche des Windparks Kuhschnappel sind in Lobsdorf nicht zu überhören und nerven. Fünf Windräder stehen rund einen Kilometer entfernt vom Haus der Familie Heilmann. Und es wird noch lauter. Denn das sechste Rad ist anscheinend startklar – es befindet sich in rund 700 Metern Entfernung. In einer Nähe, die seit zweieinhalb Jahren nicht mehr erlaubt ist.
Neues Gesetz greift hier noch nicht
Das Landratsamt hat diese Windenergieanlage mit der Nummer 6 im September 2021 genehmigt, im August 2022 gab es in dem Bescheid noch eine wesentliche Änderung. Der Mindestabstand zu Wohnhäusern von einem Kilometer gilt in Sachsen seit 2022 – im Juni wurde das in der Bauordnung so festgelegt. Wie uns das Landratsamt weiter mitgeteilt hat, enthält das Gesetz eine Übergangsvorschrift: Für Vorhaben, deren Antragsunterlagen bis zum 30. September 2022 vollständig vorlagen, sei die Abstandsregelung nicht anzuwenden.
Genehmigung gilt länger als erwartet
Mit dem Bau wurde voriges Jahr begonnen. Das Windrad ist inzwischen komplett, zumindest äußerlich, es dreht sich aber noch nicht. Nun hoffte Frank Heilmann, dass die Anlage nicht mehr in Betrieb genommen werden kann, weil seit der Genehmigung drei Jahre vergangen sind und damit die Frist abgelaufen ist. Oder dass die Uhr tickt und die Frist demnächst abgelaufen ist. Dazu erklärte uns das Landratsamt: Die Genehmigung erlischt, wenn die Anlage nicht innerhalb von drei Jahren in Betrieb genommen wurde – innerhalb von drei Jahren nach Eintritt der Unanfechtbarkeit (!) des Bescheides vom August 2022. Und unanfechtbar ist er erst seit August 2024.
Anwohner resigniert
Es bleibt dem Betreiber noch viel Zeit, das Windrad 6 in Bewegung zu setzen. „Hier wird mit Paragrafen jongliert“, sagt Frank Heilmann und packt seine umfangreiche Korrespondenz mit den Behörden zusammen. Er konnte nichts ausrichten. Die Leute im Landratsamt sind an Gesetze gebunden, und der Betreiber kam auch nicht auf den Gedanken, im Sommer 2022 die Pläne zu verwerfen – weil von da an 700 Meter Nähe zu einer Siedlung nicht mehr zulässig waren, weil ein 250 Meter hohes Windrad „vor der Haustür“ das Leben der Menschen verändert, ihnen ein großes Stück Lebensqualität wegnimmt.