- Der Ende 2024 freigestellte Ex-Trainer Miroslav Jagatic (50) will von Regionalligist Chemie Leipzig auch nach Vertragsende (Sommer 2027) weiter Geld kassieren.
Präzedenzfall für die Fußball-Welt? Ex-Chemie-Leipzig-Trainer mit ungewöhnlicher Klage
Fußball-Regionalligist Chemie Leipzig sieht sich mit einer ungewöhnlichen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung konfrontiert. Der ehemalige Trainer Miroslav Jagatic hat im Juni vor dem Arbeitsgericht Leipzig eine sogenannte Entfristungsklage gegen den Verein eingereicht.
Jagatic war im Dezember 2024 freigestellt worden. Sein Arbeitsvertrag läuft allerdings noch bis zum 30. Juni 2027. Nach Angaben von Chemie erfüllt der Verein seine vertraglichen Pflichten weiterhin vollständig: Weil Jagatic bislang kein neues Arbeitsverhältnis eingegangen ist, gilt er weiterhin als Angestellter und erhält sein volles Gehalt.
Mit seiner Klage will der 50-Jährige erreichen, dass der Vertrag nicht zum 30. Juni 2027 endet, sondern unbefristet fortbesteht. Hintergrund ist das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG): Eine sachgrundlose Befristung ist grundsätzlich nur für maximal zwei Jahre möglich. Jagatics Seite vertritt nach Angaben des Vereins die Auffassung, dass bei den Vertragsverlängerungen kein ausreichender Sachgrund vorgelegen habe.
Chemie Leipzig sieht das anders. Der Verein argumentiert, dass die „Eigenart der Arbeitsleistung“ bei Trainern einen Sachgrund für die Befristung darstelle. Ein Trainer müsse seine Mannschaft dauerhaft motivieren und erreichen können. Gehe diese Fähigkeit verloren, müsse ein Verein die Möglichkeit haben, ihn freizustellen und durch einen neuen Trainer zu ersetzen.
Genau diese Frage könnte über den Fall Jagatic hinaus Bedeutung für den deutschen Fußball haben. Nach Angaben von Chemie gibt es bislang keine höchstrichterliche Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts dazu. Verschiedene Arbeitsgerichte hätten in der Vergangenheit unterschiedlich entschieden.
Chemie will seine Rechtsauffassung deshalb notfalls auch vor höheren Instanzen vertreten. Sollte eine Befristung von Trainerverträgen aus diesem Grund künftig als unzulässig gelten, hätte das laut Verein weitreichende Folgen für den Fußball – und würde im Fall von Chemie bedeuten, dass Jagatic über den 30. Juni 2027 hinaus dauerhaft beim Verein angestellt und voll bezahlt werden müsste.
