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Preisgekrönt! Sachsen hat einen Baum-Detektiv

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Sein Leben sind die Bäume und dafür gab es jetzt Sachsens höchsten Orden! Forstbotaniker Prof. Andreas Roloff bekam den Verdienstorden des Freistaates von Ministerpräsident Michael Kretschmer überreicht. Der würdigte damit seine jahrzehntelange Arbeit als Leiter des Forstbotanischen Gartens Tharandt, in dem u.a. auch eine Walderlebniswerkstatt für Kinder eingebettet ist.

Diese ist bei Schulklassen der absolute Renner: „Wir sind schon weit bis ins nächste Jahr ausgebucht und haben in den letzten 27 Jahren dort rund 100.000 Kindern und Jugendlichen mehr über Bäume und wie sie ticken, vermitteln können“, so Prof. Roloff. Er freue sich riesig, dass dieses Engagement für Umweltbildung jetzt anerkannt wurde. Doch neben der Jugend liegen dem pensionierten Professor der TU Dresden auch die ganz Alten sehr am Herzen. Nämlich ganz alte Bäume.

Krimi um das wahre Alter der Bäume

„Mein Herzensprojekt sind die Nationalerbe-Bäume“, so Roloff. Er will Deutschlandweit 100 Uralt-Bäume finden, die fast 1000 Jahre alt und in ihrer Erscheinung und Geschichte imposant sind. Doch das ist gar nicht so einfach! „Wenn man 1000 Jahre alte Bäume in Deutschland googelt, kommen etliche. Ich habe sie alle recherchiert, es ist nicht ein einziger übriggeblieben, der wirklich so alt ist“, so Roloff. Denn oft fehlt der historische Beleg und ein 700 Jahre alter Baum wird schnell mal um 300 Jahre aufgerundet.  

Dann spielt Roloff Baum-Detektiv! Zuerst sucht er alte Fotos, auf denen die Bäume zu sehen sind, dann weiter zurückgehend in der Zeit auch Gemälde, Zeichnungen oder Ortschroniken, in denen markante Bäume schon mal eine Rolle gespielt haben. „Es ist wie ein Krimi. Die Kaditzer Linde zum Beispiel ist über 800 Jahre alt. Da gibt es von 1815 ein Gemälde, wo der Baum drauf zu sehen ist bevor dann kurz danach ein ganz schlimmes Feuer alle Gebäude drumherum vernichtet hat. Die Linde ist auch halb abgebrannt, hat deshalb heute noch einen halbkreisförmigen Stamm. Die Feuerwehrleute haben damals zuerst die Linde gelöscht und dann erst die Gebäude, das gab natürlich Ärger hinterher. Eine ganz aufregende Geschichte!“

Was braucht es zum Nationalerbe-Baum?

Die Kaditzer Linde ist zwar eine der ältesten Deutschlands, wurde aber nicht mit ins Verzeichnis der Nationalerbe-Bäume aufgenommen, da nur jeder vierte Landkreis bzw. kreisfreie Stadt vertreten sein kann, um auf die 100 Bäume zu kommen. 38 sind von Nordsee bis Alpen schon gefunden, darunter ein 220 Jahre alter Gingko im Schlosspark von Jahnishausen bei Riesa und die Collmer Linde bei Oschatz mit über 11 m Stammumfang. Ende September wird ein weiterer Sachsen-Baum zum Nationalerbe ausgerufen: „Die Schmorsdorfer Linde bei Kreischa, rund 800 Jahre alt, über 12 m Stammumfang“, sagt Roloff.

Wer einen anerkannten Nationalerbe-Baum auf dem Grundstück hat, der darf ihn nicht mehr beschneiden. Die Pflege übernehmen dann kostenlos Profis, damit der Uralt-Baum möglichst noch viel älter wird. Denn was die alten Bäume auch können – sich an die verschiedenen Klimabedingungen der letzten Jahrhunderte erfolgreich anpassen. Ihre Lebensleistung für Tiere und Umwelt ist enorm: Für einen Uralt-Baum müss(t)en 400 neue gepflanzt werden!

Wer einen verdächtig alten Baum kennt (mindestens 4 m Stammumfang in ca 1,30 m Höhe), kann ihn bei unter info@nationalerbe-baueme.de bzw. telefonisch unter (0351) 46331202 melden. Prof. Roloff recherchiert alle Fälle.

Audio:

Forstbotaniker Andreas Roloff im Gespräch bei "André und die Morgenmädels"