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Sachsens Bauern halten nichts von kurzfristigen Preisabsprachen

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Dresden (dpa/sn) - Der sächsi­sche Landes­bau­ern­ver­band sieht in der Geneh­mi­gung von Abspra­chen zur Milch­men­gen­be­gren­zung keine Entlas­tung für die vom Preis­ver­fall bedrohten Milch­bauern. Die Entschei­dung der EU-Kommis­sion, ab diesem Mittwoch auf sechs Monate befristet Verab­re­dungen unter Landwirt­schafts­be­trieben zur erzeugten Milch­menge zuzulassen, sei „Schnee von gestern“, sagte Haupt­ge­schäfts­führer Manfred Uhlemann der Deutschen Presse-Agentur. „Ich glaube nicht daran, dass das hilft.“ Jeder schaue doch nur, ob der andere weniger produ­ziert, um dann selbst mehr produ­zieren zu können. Steigende Milch­preise erwarte er deshalb nicht.  Schuld an der Misere der Bauern seien die vom Einzel­handel ausge­henden Preise, von denen auch die Molke­reien noch ihren Anteil abzögen. „Was übrig bleibt, davon kann der Landwirt schon lange nicht mehr leben“, sagte er und forderte „für Grund­nah­rungs­mittel, die der Daseins­vor­sorge dienen, eine staat­lich fixierte Vorgabe als einen für den Landwirt kosten­de­ckenden Mindest­preis“. Ansonsten sehe er die Versor­gungs­si­cher­heit der Bevöl­ke­rung mit Grund­nah­rungs­mit­teln aus heimi­scher Produk­tion etwa in Krisen­zeiten gefährdet, da immer mehr Bauern aufgrund des Kosten­drucks zum Aufgeben gezwungen würden. Auch das sächsi­sche Landwirt­schafts­mi­nis­te­rium sieht in der Mengen­be­gren­zung kein wirkungs­volles Mittel. Schon 2008 habe eine staat­lich verord­nete Milch­quote nicht den gewünschten Effekt gebracht, sagte der Sprecher von Agrar­mi­nister Thomas Schmidt (CDU). Erfolg­ver­spre­chender wären direkte Zuschüsse an die Bauern, um in der akuten Krise zu helfen. Auslöser des Preis­ver­falls ist ein russi­scher Import­stopp für EU-Agrar­pro­dukte. Moskau hatte damit auf EU-Sanktionen wegen der Ukrai­ne­krise reagiert.  In Sachsen produ­zieren rund 900 Betriebe etwa 1,6 Millionen Tonnen Milch pro Jahr. Aktuell bekämen sie 23,25 Cent pro Liter, sagte Uhlemann. Die Kosten für die Produk­tion lägen aber bei 35 Cent.