Schätze auf Pergament und Papier in Görlitz - Bibeln aus sechs Jahrhunderten
In Görlitz öffnet sich die Tür zu einer Schatzkammer. Ab 1. März werden in der Bibliothek der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften Bibeln aus fünf Jahrhunderten gezeigt. Ausgewählt wurden 22 Exemplare aus dem 14. bis 19. Jahrhundert.
Zu den Schätzen gehört auch eine 1534 in Wittenberg in Übersetzung von Martin Luther erschienene Bibel. Weltweit gebe es davon nur noch höchstens 60 Exemplare, so der Leiter der Bibliothek, Steffen Menzel. Es handelt sich um die erste Ausgabe einer Vollbibel des Reformators. „Sie gehörte der Görlitzer Gelehrten- und Kaufmannsfamilie Kober. Die Stadt bekam die Bibel geschenkt.“
Ein Unikat ist die sogenannten Skaryna-Bibel. Die über 500 Jahre alte Schrift gilt als erstes überhaupt in einer ostslawischen Sprache gedrucktes Buch. Franzysk Skaryna (1470-1551) übersetzte die Bibel vor rund 500 Jahren in die altweißrussische Volkssprache und druckte die Übersetzung in einer von ihm in Prag betriebenen Druckerei.
1615 kam ein Exemplar nach Görlitz. Doch erst fast 400 Jahre später stellte sich heraus, was für ein Schatz in der Neißestadt schlummert. 2005 wurde die rund 1.300 Seiten starke Ausgabe identifiziert. Das sorgte international für Aufsehen. In den Katalogen war sie bis dato als russische Bibel klassifiziert. In ihr widerspiegelt sich auch der europäische Gedanke, das Verbindende zwischen Nationen. In der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz wird ein Exemplar der Skaryna-Bibel aufbewahrt, das einzige in einer deutschen Bibliothek.
Gezeigt wird auch die weltweit erste Ausgabe einer mehrsprachigen Bibel – eine Polyglotte – in Latein, Griechisch, Hebräisch und Aramäisch aus dem Jahr 1517 – außerdem die erste Bibel in obersorbischer Sprache von 1728. Die Sonderausstellung in der Schatzkammer des Barockhauses Neißstraße (Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften) ist bis 31. Juli geöffnet.