Sozialkaufhäusern gehen die Angebote aus

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Die Inflation und der Ukraine-Krieg treiben immer mehr Menschen im Freistaat in Sozialkaufhäuser. Dort wird das Angebot zunehmend knapp. In Chemnitz gibt es Sozialkaufhäuser in der Altchemnitzer Straße und im Umland in Mittweida. Beide Filialen betreibt der Verein Netzwerk e.V., der auch Sozialkaufhäuser in Freiberg und Döbeln anbietet. Wer insbesondere Betten, Schränke, Küchenmöbel, aber auch Waschmaschinen oder zum Beispiel Kochgeschirr, Lampen und auch Kinderspielzeug spenden möchte, kann sich bei dem Verein aus Mittweida melden. Die Filiale in der Altchemnitzer Straße 15-17 ist werktags zwischen 09.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Tel.: 0371 23615051. Das Kaufhaus in Mittweida finden Sie im Industrieweg 8 / Eingang A / 1. + 2. Etage, ebenfalls werktags zwischen 09.00 und 18.00 Uhr. Tel.: 03727 9978-13.

Im Erzgebirge gibt es das Sozial- und Ausbildungskaufhaus „Kaufhaus Clever“, das der CJD Sachsen betreibt. Es liegt in der Frohnauer Gasse in Annaberg-Buchholz. Es ist von Montag bis Donnerstag zwischen 09:30 und 13:30 Uhr geöffnet. Tel. 03733 / 428 97 75. Der E-Mail-Kontakt ist kerstin.spranger@cjd.de.

„Es gibt kaum Lagerzeiten der gespendeten Waren. Diese werden teilweise noch am selben Tag wieder verkauft“, sagte Vorstand Martin Seidel vom Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden (SUFW), das in der Landeshauptstadt ein Sozialkaufhaus und einen Sozialen Möbeldienst betreibt. „Die wesentlichen Gründe sind die zusätzliche Kundschaft durch die Kriegsflüchtlinge, aber auch die mit der Inflation gestiegenen Preise bei Möbeln sowie die Lieferschwierigkeiten von Möbelhäusern.“

Unlängst hatte das Diakonische Werk in Sachsen berichtet, dass ihre Sozialkaufhäuser und Möbelhäuser fast leer gekauft seien und um Spenden gebeten. Vor allem die Einrichtungen in den größeren Städten brauchten dringend Nachschub, hieß es. In den vergangenen Wochen und Monaten hätten oft auch Geflüchtete aus der Ukraine das Angebot genutzt. „Nun sind unsere Lager fast leer und müssen dringend mit Kleinmöbeln und Haushaltsgeräten, wie Kühlschränken, Waschmaschinen und E-Herden, aufgefüllt werden», sagte der zuständige Referent Marko Hietzke. Die Diakonie unterhält landesweit 17 Sozialkaufhäuser und Möbeldienste - unter anderem in Pirna (Sächsische Schweiz), Auerbach (Vogtland), Mittweida (Mittelsachsen) und Zschopau (Erzgebirgskreis).

Auch im Sozialkaufhaus und dem Sozialen Möbeldienst des SUFW in Dresden wird die deutlich gestiegene Nachfrage seit März beobachtet, kurz nachdem der Ukraine-Krieg begann. Noch im Januar und Februar sei diese wegen der mit dem Corona-Infektionsschutz verbundenen Einschränkungen geringer gewesen als üblich. Verglichen mit jenen Monaten habe sich die Nachfrage nahezu verdoppelt, sagte Seidel. Aber auch verglichen mit der Zeit vor Corona lägen die Zahlen 50 bis 60 Prozent höher. Vor allem Schrankwände, Kleiderschränke, Küchen und Betten seien gefragt. „Alles was zu einer Wohnungsausstattung gehört.“ Kühlschränke, Herde und Waschmaschinen würden immer gesucht. „Wir können die Nachfrage danach kaum decken.“

In einem Pilotprojekt will es die Stadt den Dresdnern nun noch einfacher machen, ausrangierte Dinge und Elektro-Geräte in andere Hände zu geben. In zwei Werthöfen der Stadt, bei denen die Einwohner eigentlich ihren Müll entsorgen, soll geprüft werden, ob trotz leichter Gebrauchsspuren eine Weiternutzung dieser Dinge möglich ist. Nach der Aufbereitung in den Wertstoffhöfen Friedrichstadt und Kaditz werden die abgegebenen Gegenstände und Geräte über Vereine oder das Sozialkaufhaus an Bedürftige verkauft - gegen ein geringes Entgelt. Die Palette reicht von Lampen, Geschirr und Möbeln bis zu Waschmaschine, Herd und Kühlschrank sowie Spielzeug und Fahrrädern. Die Gesamtkosten des bis Herbst 2023 geplanten Pilotprojekts belaufen sich nach Rathausangaben auf knapp 115 000 Euro, der Großteil davon kommt aus dem Landeshaushalt.

Leer gekauft sei das Kaufhaus zwar nicht, die Spendenbereitschaft der Menschen sehr hoch. Aber infolge der Ukraine-Krise gebe es einen erhöhten Bedarf an Kühlschränken und Waschmaschinen, Möbeln sowie Haushaltswaren wie Kochgeschirr, Teller, Tassen, Besteck, berichtete Lars Büttner vom Verein Selbsthilfe 91 in Chemnitz. Dieser betreibt unter anderem auch ein Sozialkaufhaus in der Stadt. So gingen etwa Kühlschränke, Herde, Waschmaschinen sofort wieder weg, nachdem sie herein gekommen seien. «Hier würden wir noch mehr Spenden benötigen, um den Bedarf decken zu können.» Der Projektleiter des Kaufhauses sei immer in Sachen Spendenakquise unterwegs und auch auf der Suche nach Kooperationspartnern. Die Kundenfrequenz sei etwa wieder auf dem Niveau wie vor der Corona-Pandemie.

Sehr nachgefragte Möbel seien Schlafgelegenheiten, Schränke und Küchenmöbel, hieß es beim Sozialwarenhaus in Leipzig. Das betreffe auch Kühlgeräte und Waschmaschinen sowie alles, was für eine Wohnungseinrichtung benötigt werde. Engpässe gebe es bei Küchengroßgeräten und Betten. „Die sind nur sehr eingeschränkt verfügbar“, sagte Thomas Oldenburg vom Sozialwarenhaus. „Ansonsten haben wir eine bestimmte Menge an Waren, dank unserer Lagerhaltung aus der Corona Lockdown-Zeit noch vorrätig.“ (mit dpa)