Sparkassen-Vorstandschef Angermann nach Millionenverlusten beurlaubt
Der Verwaltungsrat der Sparkasse Zwickau hat den Vorstandsvorsitzenden Felix Angermann beurlaubt. Darüber informierte das Geldhaus am Mittwochvormittag erst die Mitarbeiter, dann die Medien. Das Gremium zog damit die Konsequenzen aus drei verlustreichen Jahren. Die Chefin des Verwaltungsrates, Oberbürgermeisterin Constance Arndt, sagte laut Mitteilung: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Weg für eine Neuausrichtung freizumachen.“ Bis ein neuer Vorstandsvorsitzender kommt, führen die Vorstände Andreas Fohrmann und Rudolf Fischer die Geschäfte.
Die Sparkasse hat nach eigenen Angaben in 2020 einen Verlust von 47 Millionen Euro eingefahren. „Wesentlicher Grund dafür war, dass das Eigenanlagengeschäft mit Aktien und Wertpapieren zu stark forciert wurde.“ An den Börsen sei es damals zu drastischen Kurseinbrüchen gekommen, steht in der Presseinfo.
Nach einer anfänglichen Stabilisierung verbuchte das Kreditinstitut in 2021 noch einmal ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Und auch im vergangenen Jahr ging die Talfahrt weiter. Als Gründe wurden u.a. der unerwartete Ukrainekrieg und seine wirtschaftlichen Folgen genannt, zu denen auch die hohe Inflation gehört. Dass die Europäische Zentralbank in der Folge die Zinsen in schnellen Schritten von null auf drei Prozent erhöht habe, sei nicht absehbar gewesen. Die Bewertungsverluste hätten sich für die Sparkasse Zwickau noch einmal erhöht, so dass auch für das Geschäftsjahr 2022 ein „negatives Betriebsergebnis“ erwartet werde.
Jetzt plant die Sparkasse Zwickau einen Strategiewechsel. „Wir sind optimistisch, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückkommen“, sagte Andreas Fohrmann, der seit dem vergangenen Sommer bei der Bank ist. Man werde sich stärker auf das Kundengeschäft fokussieren, um mittelfristig wieder eine „normale“ Sparkasse zu sein.