++ EIL ++

Tillich hat weiter die Wahl - Auch Grüne wollen sondieren

Zuletzt aktualisiert:

Die sächsi­sche CDU hat bei der Suche nach einem neuen Koali­ti­ons­partner weiter zwei Eisen im Feuer. Knapp eine Woche nach der Landtags­wahl stimmte am Samstag auch der Landes­par­teirat der Grünen der Aufnahme von Sondie­rungs­ge­sprä­chen zu. Sie sollen am kommenden Donnerstag beginnen. Einen Tag später will die CDU auch mit der SPD zu Sondie­rungen zusam­men­kommen. Die Partei von Minis­ter­prä­si­dent Stanislaw Tillich muss sich nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Landtag einen neuen Regie­rungs­partner suchen.„Es ist eine normale demokra­ti­sche Gepflo­gen­heit, dass Parteien nach der Wahl zu Sondie­rungen einladen und dass man diese Einla­dung auch annimmt“, sagte Grünen-Landes­vor­stands­spre­cher Volkmar Zschocke. Es gelte, Gemein­sam­keiten und Unter­schiede auszu­loten.Eine Zusam­men­ar­beit mit der CDU ist an der Grünen-Basis aber umstritten, nicht zuletzt wegen des mageren Wahler­geb­nisses von nur 5,7 Prozent. Vor dem Hinter­grund der Ausein­an­der­set­zung hatte die langjäh­rige Landtags­frak­ti­ons­vor­sit­zende Antje Hermenau, die ein schwarz-grünes Bündnis befür­wortet, ihren Verzicht auf das Amt im neuen Landtag erklärt.„Ein schwarz-grünes Labeling war Ursache dafür, dass wir in Sachsen schlechter abgeschnitten haben“, sagte Ex-Bundes­tags­frak­ti­ons­chef Jürgen Trittin dem „Spiegel“. „Unsere Wähler akzep­tieren Schwarz-Grün vielleicht als Notfall­lö­sung, aber keinen schwarz-grünen Wahlkampf.“ Die Bundes­vor­sit­zende Simone Peter mahnte zur Vorsicht. „Die Wahl in Sachsen hat gezeigt, dass die Veren­gung auf eine schwarz-grüne Koali­tion Risiken birgt.“Nach einem Vorge­spräch mit Tillich Anfang der Woche hätten sie dem Landes­par­teirat empfohlen, das CDU-Sondie­rungs­an­gebot anzunehmen, sagten die Grünen-Landes­vor­sit­zenden Claudia Maicher und Zschocke. Nach gut zweistün­diger inten­siver Diskus­sion habe das höchste Gremium zwischen den Partei­tagen dem Vorschlag zugestimmt - mit für manchen überra­schend großer Mehrheit. 11 der 13 anwesenden Mitglieder stimmten dafür, eines dagegen. Ein Mitglied enthielt sich.Neben den beiden Landes­vor­sit­zenden sollen der Grünen-Sondie­rungs­gruppe Hermenau und die Landtags­ab­ge­ord­nete Eva Jähnigen sowie der Bundes­tags­ab­ge­ord­nete Stephan Kühn angehören. Am Ende wird der Parteirat die Gespräche auswerten. Über die Aufnahme von Koali­ti­ons­ver­hand­lungen müsste letzt­lich ein Landes­par­teitag am 20. September entscheiden.„Wir freuen uns über die Zusage“, sagte Sachsens CDU-General­se­kretär Michael Kretschmer. „Wir wollen in diesen Gesprä­chen inhalt­liche Überein­stim­mungen errei­chen.“ Ökonomie und Ökologie seien für die Union zwei Seiten einer Medaille.Rein rechne­risch hätte sowohl ein Bündnis mit den Grünen als auch mit der SPD eine Mehrheit. Die CDU kommt im 126 Sitze zählenden Landtag auf 59 Abgeord­nete, die SPD auf 18 und die Grünen auf 8. Das „Polster“ von Schwarz-Grün wäre mit nur drei Stimmen knapp - angesichts der Diffe­renzen zwischen beiden Parteien etwa beim Thema Braun­koh­le­abbau ein Unsicher­heits­faktor. Die Mehrheit einer schwarz-roten Koali­tion, wie sie in Sachsen bereits von 2004 bis 2009 regiert hat, wäre komfor­ta­bler. (DPA)