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Vera Lengsfeld besteht auf Teilnahme an Demokratietagen

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Die Publi­zistin Vera Lengs­feld nennt es einen Skandal, von den Tagen der Demokratie und Toleranz ausge­laden worden zu sein. Sie hätte Montag­nach­mittag die Eröff­nungs­rede halten sollen, bekam aber am Freitag wegen Pegida-naher Äußerungen die Absage. "Das finde ich verlet­zend, denn ich habe mit diesen Pegida-Leuten nichts zu tun", sagte die frühere DDR-Bürger­recht­lerin am Sonntag unserem Sender. Sie setze sich aller­dings dafür ein, die Anhänger nicht zu diskri­mi­nieren. Ihre Ausla­dung sei eine Panik­re­ak­tion, nachdem die im Bündnis organi­sierte Gruppe „Grass-Lifter“ Stimmung gegen sie gemacht habe. Dass das Bündnis darauf reagierte, sei der eigent­liche Skandal, so Lengs­feld. Sie bestehe darauf, bei den Demokra­ti­e­tagen sprechen zu dürfen. Wenn nicht zur Eröff­nung, dann an einem anderen Tag.---------------------------------------------------------------------------------------------------- Offener Brief von Vera Lengs­feld an das Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region:

Der Beirat, nament­lich Frau Schubert, Herr Killat, Herr Zenner Berlin, 12.04.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben mich während meines Oster­ur­laubs mit meinen Enkeln am 10. April ohne Rücksprache für die lang geplante, vertrag­lich festge­setzte Eröff­nungs­rede anläss­lich der diesjäh­rigen Tage der Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region am 13. April öffent­lich ausge­laden. Die Zwickauer Tage 2015 stehen ja aus gegebenem Anlass ganz im Zeichen des 25ten Jahres­tages der Fried­li­chen Revolu­tion und der deutschen Einheit. Und dieses Thema sollte auch im Zentrum meines Vortrags stehen; es ist ein Thema zu dem ich als aktive Bürger­recht­lerin unbestritten einiges zu sagen habe.

Sie baten mich um Verständnis für die Ausla­dung wenige Tage vor der Veran­stal­tung.

Nein, Verständnis für Ihre brutale Express­aus­la­dung kann ich beim besten Willen nicht aufbringen. Noch weniger, da diese überhas­tete Ausla­dung offenbar auf Grund einer üblen, unbegrün­deten Denun­zia­tion erfolgte.

Sie führen mit dieser Ausla­dung Ihr eigenes Veran­stal­tungs­motto ad absurdum. Denun­zia­tion statt Demokratie und Ausgren­zung statt Toleranz.

Aus „aktuellem Anlass“ hätten Sie sich getroffen, um die Gestal­tung der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung zu „beraten“ teilen Sie mir mit.

Nun, wie ich der Presse entnehme, war der Anlass offenbar die Veröf­fent­li­chung einer in Berlin basierten, eher gesichts­losen Aktivis­ten­gruppe namens Grass Lifter, deren substanz­lose Verleum­dungen, „Nachfragen zur Demokratie in Zwickau“ vom 8. April eigent­lich hätten bewirken müssen, dass man dieses Schreiben, bildlich gespro­chen, mit spitzen Fingern in den Papier­korb entsorgt.

Da steht doch tatsäch­lich, ich würde in „obskuren Blogs“ für mein „Verständ­nis“ für Pegida „gefei­ert“. Das heißt klar, nicht für etwas das ich getan oder geäußert hätte, soll ich ausge­laden werden, sondern dafür, was nicht spezi­fi­zierte Dritte über mich geäußert haben sollen!

Anders als die Grass Lifter- Denun­zi­anten treibe ich mich grund­sätz­lich nicht auf obskuren Blogs herum. Was ich zu sagen habe, setze ich auf die Achse des Guten, deren Autorin ich bin. Auch mein Beitrag, den ich anläss­lich einer Veran­stal­tung der Sächsi­schen Landes­zen­trale für politi­sche Bildung auf Anfrage zu Pegida gehalten habe, steht dort seit vielen Wochen.

Kernpunkt meines Artikels ist, dass ich auch heute noch mit Rosa Luxem­burg der tiefen Überzeu­gung bin, dass Freiheit immer die Freiheit der Anders­den­kenden ist. Wenn ich Meinungen falsch oder gefähr­lich finde, dann bekämpfe ich sie mit offenem Visier und mit den besseren Argumenten, niemals mit Denun­zia­tionen und Verboten.

Ich frage: Gilt dieser Luxem­burg-Satz nicht in der Zwickauer Region?

Oder wie steht es bei Ihnen als Organi­sa­toren einer hoch subven­tio­nierten Veran­stal­tung zu Demokratie und Toleranz mit der Akzep­tanz unseres Grund­ge­setzes, speziell Art 3/3, und 5?

Grass Lifter behauptet weiter, ich hätte Rassis­tinnen vertei­digt.

Ich frage: Wo? Wann? Belege? Gibt es nicht.

Sie setzen aber noch eins drauf, indem sie behaupten, die von mir „bekun­deten Meinungen und Erkennt­nisse“ stünden im Wider­spruch zum vom „Bündnis prakti­zierten Arbeits­auf­trag“.

Nun bin ich in der Tat in Zweifel geraten, wie Sie ihren Arbeits­auf­trag definieren. Doch nicht, indem Sie Demokratie und Toleranz nur in den von selbst­er­nannten Gesin­nungs­schnüff­lern gezogenen engen Grenzen dulden wollen?

Grass Lifter: „Wenn wir Vera Lengs­feld richtig verstehen, werden “diese„ Bündnisse (welche?) als “Einheits­front„ diffa­miert“.

So etwas nennt man im Fußball Eigentor. Denn mit der gefor­derten rabiaten Ausgren­zung einer Bürger­recht­lerin, die für ihr demokra­ti­sches Engage­ment, nicht nur Berufs­verbot und Gefängnis in Kauf genommen hat, sondern mit dem Aachener und dem Schei­degger Friedens­preis, sowie dem Bundes­ver­dienst­kreuz geehrt wurde, demons­trieren die Grass Lifter, dass sie nur eine ihnen genehme Einheits­mei­nung dulden wollen. Dann von sich als „die Toleran­ten“ zu sprechen, ist schon fast eine Slapstick­nummer.

Richtig eklig werden die ‚Fragen zur Demokratie in Zwickau’ aber dadurch, dass sie durch die gleich­zei­tige Ansprache der NSU- Affäre, mich indirekt damit in Zusam­men­hang bringen.

Die Stasi nannte das „Zerset­zungs­maß­nah­men“. Falsche, aber glaub­wür­dige Gerüchte in die Welt zu setzen, um den Ruf und die Reputa­tion der „Zielper­son“ nachhaltig zu zerstören.

Sie sind vor diesen Denun­zia­tionen einge­knickt.

Schlimmer: Indem Sie auf die haltlosen Anschul­di­gungen einer erkennbar antide­mo­kra­ti­schen Split­ter­gruppe mit meiner Ausla­dung reagiert haben, betei­ligen Sie sich an diesem üblen Spiel. Ja, Sie haben dem Ganzen damit den Anschein verliehen, es sei etwas dran!

Ihre undurch­dachte und panische Entschei­dung ist völlig ungerecht­fer­tigt und entbehrt jeder Grund­lage.

Und dies von einem Gremium, das immerhin eine aktive SPD-Parla­men­ta­rierin enthält, deren Partei­vor­sit­zender Gabriel auf jener Veran­stal­tung der Landes­zen­trale über eine Stunde mit Pegida- Vertre­tern disku­tiert hat.

Sie wissen schon, dass ich 15 Jahre lang als Mitglied des Deutschen Bundes­tages aktiv für die Demokratie in diesem Land gearbeitet habe? Wenn auch nicht für die SPD.

Ein mit öffent­li­chen Geldern subven­tio­nierte Veran­stal­tung, die sich der Förde­rung von Demokratie und Toleranz verpflichtet, darf, wie jeder Parla­men­ta­rier weiß, niemals in den Verdacht geraten, politisch misslie­bige Meinungen aus dem demokra­ti­schen Spektrum zu unter­drü­cken. Denn dies ist eine Verkeh­rung des demokra­ti­schen Prinzips.

Demokratie lebt von Rede und Gegen­rede, Austausch und Abwägung von Argumenten. Denun­zia­tion, Ausgren­zung und Verbote sind Gift für eine offene Gesell­schaft. Wer sie fordert, wie Gras Lifter, ist kein Freund von Demokratie und offener Gesell­schaft.

Wie soll es von hier aus weiter­gehen? Ich fordere Sie auf, Ihre vollkommen ungerecht­fer­tigte, rufschä­di­gende Entschei­dung zu wider­rufen.

Ich bin jeden­falls weiterhin bereit nach Zwickau zu kommen. 

Wenn Sie, ihre verlet­zende und diskri­mi­nie­rende Entschei­dung nicht revidieren wollen, kann ich Ihnen versi­chern, dass ich die von Ihnen vorge­tra­genen ‚Anschul­di­gungen’ politisch nicht auf mir sitzen lassen werde.

Mit freund­li­chen Grüßen,

Vera Lengs­feld

Audio:

Inter­view mit Vera Lengs­feld