Weniger gemeldete Gewalt an Sachsens Schulen
Die Gewaltvorfälle an Sachsens Schulen sind im vergangenen Schuljahr zurückgegangen. An Grund-, Mittel-, Förder- und Berufsschulen sowie Gymnasien wurden nach Angaben des Kultusministeriums in Dresden bis Ende Juni insgesamt 704 Fälle von Körperverletzung und Sachbeschädigung registriert - etwa ein Drittel weniger als 2013/2014. Knapp 60 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Gewalt an Schulen aber ein Thema für Schüler, Lehrer, Eltern und Behörden. Schulpsychologen verweisen darauf, dass viele Einrichtungen Auffälligkeiten intern klären. Vize-Geschäftsführer Hans-Joachim Wegner von der Unfallkasse Sachsen sprach von einem mindestens gleichbleibenden, wenn nicht zunehmenden Problem. Nach seinen Worten nimmt die Gewalt an Schulen nicht ab, denn auch verbale Angriffe zählten dazu. „Wir haben nicht den Eindruck, dass es besser geworden ist“, sagte er. Statistisch belegen lasse sich das zwar nicht. Schulen wendeten sich jedoch verstärkt wegen Mobbings, das mit Internet und sozialen Medien zugenommen habe, verbaler Attacken und Schlägereien an die Unfallkasse mit ihren Angeboten zur Prävention. So fördert die Unfallkasse beispielsweise Veranstaltungen, in denen Jugendliche mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert werden. „Wer sich mit dem Thema beschäftigt, wird sich nicht mehr prügeln.“ Schulpsychologen werden nach Gewaltvorfällen weniger um Rat und Tat gebeten. „Da wird viel in den Schulen selbst gemacht“, sagte Thomas Sandrock von der Sächsischen Bildungsagentur in Chemnitz. Unter anderem seien die Beratungslehrer dafür geschult. Meist gehe es um verbale Gewalt wie Beschimpfungen, Beleidigungen oder Ausgrenzung durch Mobbing. „Manche betroffenen Schüler nehmen sich das zu Herzen, können nicht mehr schlafen, andere wenden sich einfach ab.“ Die Motive für solche Attacken sind laut Sandrock verschieden: Eifersucht, Neid, aber auch Strebertum. Manchen Schüler treffe es auch nur, weil er neu an der Schule ist. Mitunter arte das dann in Raufereien aus, an Grundschulen ist das laut Sandrock häufig nur ein „Geschubse“. Entscheidend dabei sei die Reaktion der Schule, „sie muss so ein Verhalten beizeiten brandmarken“. Manchen Schulen gelinge das gut, andernorts passiere nicht viel. Wenn es um die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen geht, Konflikte anders zu lösen als mit Gewalt, sieht Sandrock Defizite. „Die Kompetenz wird geringer“, sagte Sandrock. „Aber es wird auch viel getan, um die Schulen zu sensibilisieren.“ (dpa)