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  • OB Sören Kristensen (l.) und Karsten Piehler, zuständig für Stadtentwicklung und Bau, beim Pressegespräch im Rathaus

Werdauer Bahnhofsstreit: OB Kristensen geht „all-in“

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Werdaus Oberbürgermeister Sören Kristensen lässt es im Streit um den Abriss des Bahnhofs auf einen Bürgerentscheid ankommen. Er gehe davon aus, dass der Stadtrat im Mai das Bürgerbegehren für den Erhalt der Gebäude zulassen wird, sagte das Stadtoberhaupt am Freitag. Der Entscheid könnte dann spätestens Anfang August stattfinden.

Für den Fall, dass die Abrissgegner eine Mehrheit erhalten, wolle er die Kosten des Bürgerentscheids von etwa 25.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen, kündigte Kristensen an – und er fragt: „Wie wäre es, wenn die Initiatoren des Bürgerbegehrens das Gleiche öffentlich erklären für den Fall, dass der Bürgerentscheid nicht zu ihren Gunsten ausgeht?“

Etwa 800 Unterschriften hat der Verein „Stadtentwicklung und -erhaltung Werdau“ bisher nach eigenen Angaben gesammelt. Die Listen müssen bis zum 26. April im Rathaus vorliegen. Initiator Philipp Meyer sprach am Freitag gegenüber unserem Sender von einem großen Zuspruch: „Wir bekommen auch Zuschriften von Leuten aus ganz Deutschland, die Bahnhöfe gerettet haben.“ Sein Verein will die Abrisskosten lieber investiert sehen in ein Gründerzentrum zum Beispiel, ein Gemeindezentrum für Leubnitz, ein Kino oder einen Bioladen.

Von alldem hält Kristensen nichts, und er nimmt an: Sanierung und Nutzung des alten Bahnhofsgebäudes würden in den kommenden 25 Jahren Gesamtkosten von bis zu zehn Millionen Euro nach sich ziehen.

Am 6. April hatte das Verwaltungsgericht in Chemnitz die bereits laufende Entkernung gestoppt. Damit wurde der Abrisszeitplan über den Haufen geworfen. Die Arbeiten sollten am vergangenen Dienstag beginnen. Prüfen lässt der OB noch, ob die Stadt Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einreicht. Eine Woche bleibt dafür noch Zeit. „Wir verfolgen eine  Doppelstrategie.“

Der Stadt entstehen durch den Abrissstopp erhebliche Kosten, zum Beispiel für die weitere Sicherung der früheren Mitropa und Baustelleneinrichtungen. Diese könnten laut Kristensen eine sechsstellige Höhe erreichen.

Dankbar sei er den am Abriss beteiligten Unternehmen, die einem „Einfrieren“ der Verträge zugestimmt hätten, so der Rathauschef. Immerhin seien schon Aufträge im Volumen von einer Million Euro ausgelöst worden. Auch die Bahn und die Fördermittelgeber hätten Verständnis gezeigt: „Alle bleiben an Bord.“ Das Projekt, das die Errichtung eines modernen Haltepunktes verbunden mit der Modernisierung des Bahnhofsvorplatzes beinhaltet, sei nicht gescheitert, nur angehalten.

Der Busbahnhof wird ab Montag wieder in Betrieb gehen. Absperrungen und Behelfs-Haltestellen werden zurückgebaut.

Audio:

Sören Kristensen
Philipp Meyer