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Wie Ex-Nationalspieler Böhme Zwickaus Nachwuchs fit machen will

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Autor: Sport

Die U19-Mannschaft des FSV Zwickau darf sich über geballte Erfahrung auf der Trainerbank freuen. Jörg Böhme fungiert als neuer Chefcoach der Junioren. Der Ex-Nationalspieler will bei den Sachsen einiges bewegen.

Der prominenteste Neuzugang beim FSV Zwickau wird für den Fußball-Drittligisten keine Tore schießen. Dabei war die «linke Klebe» ein Markenzeichen von Jörg Böhme. «Schießen können sie alle. Es geht aber nicht um Härte, sondern darum, mit Genauigkeit gezielt das Tor zu treffen – das erzähle ich auch den Jungs ständig», sagt der Ex-Nationalspieler. Mit «den Jungs» sind die U19-Junioren des FSV gemeint, für die Böhme seit Juli als hauptamtlicher Cheftrainer verantwortlich ist. Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung soll der 46-Jährige den Nachwuchs der Westsachsen fit machen.

Es war vor allem die Perspektive beim FSV, die Böhme gereizt hat, um wieder in den Osten zurückzukehren. «In Zwickau soll ein Nachwuchsleistungszentrum entstehen. Dabei möchte ich gern mithelfen. Das Angebot der Zwickauer hat nach einer familiären Auszeit sehr gut gepasst», erzählt Böhme, der einst bei der BSG Chemie Zeitz das Fußballspielen erlernte. Dass seine Mutter heute immer noch in der Stadt im Süden von Sachsen-Anhalt lebt, sei ein positiver Nebeneffekt seiner Rückkehr, meint der Fußballlehrer. Er nennt auch noch einen weiteren Grund für sein Engagement bei den Westsachsen: «Die Stellen im Fußballgeschäft sind sehr begehrt. Es gibt viele Trainer, die ohne Job sind.»

Böhme absolvierte für den FC Schalke 04, Arminia Bielefeld, Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach und den TSV 1860 München bis 2008 insgesamt 232 Bundesligaspiele. Dazu kam der einstige Außenbahnspieler für die DFB-Auswahl zehn Mal zum Einsatz. Nach seinem Karriereende als Profi durchlief Böhme in Bielefeld, Schalke oder beim FC Energie Cottbus verschiedene Trainerstationen im Männer- und Nachwuchsbereich.

Jetzt will er mithelfen, den Unterbau des FSV flott zu machen. «Wir wollen den Input von Jörg Böhme nutzen, um im Nachwuchsbereich den nächsten Schritt zu gehen», erklärt Vorstandsmitglied Toralf Wagner. Bis Ende des Jahres wollen sich die Zwickauer vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Nachwuchsleistungszentrum zertifizieren lassen. «Und da liegt viel Arbeit vor uns. Aber wir packen es an. Mit Volker Piekarski haben wir einen sehr guten Mann als Nachwuchsleiter verpflichtet, der hier viele Dinge anschiebt», meint Böhme.

Mit den U19-Junioren kämpft der Ex-Nationalspieler ab September in der Regionalliga um Punkte. Die Ergebnisse sind das eine, die gezielte Entwicklung von Talenten das andere. «Ziel muss es sein, dass sich in den kommenden Jahren mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für die erste Mannschaft empfehlen», betont Wagner. Diese Erkenntnis sei beim Drittligisten vor allem nach dem Corona-bedingten Neustart am Ende der vergangenen Saison gereift. Es fehlte an talentierten Spielern, um den kleinen Profikader zu entlasten.  

Böhme, der sich zu diesem Thema auch im Austausch mit FSV-Cheftrainer Joe Enochs befindet, fordert bei diesem Vorhaben aber Geduld ein. «Es wäre vermessen zu sagen, dass wir innerhalb von einem Dreivierteljahr zwei oder drei Spieler da hoch kriegen. Wir wollen die Jungs aus dem U19-Team so nah wie möglich an den Männerfußball heranführen, damit der Abstand nicht mehr so groß ist», sagt der Coach. «Wenn ein Spieler von mir über einen längeren Zeitraum gute Leistungen bringt, kann er vielleicht mit einer Trainingseinheit bei den Profis belohnt werden.»

Böhme, während seiner aktiven Zeit als Spieler durchaus als «Enfant terrible» bekannt, will in der Arbeit mit seinen Schützlingen eine gesunde Mischung aus «Zuckerbrot und Peitsche» pflegen. «Man reflektiert sich in gewisser Weise selbst und weiß, dass man selbst mal in der A-Jugend gespielt hat. Das eine oder andere Auge werde ich bei den Jungs sicherlich zudrücken. Sie sind vom Alter her zwar 18 oder 19 Jahre, aber im Kopf vielleicht erst 16», erzählt Böhme, der im fußballerischen Bereich allerdings eine klare Philosophie verfolgt: «Wir wollen hoch stehen, hoch pressen und aktiv Fußball spielen. Ein neutraler Zuschauer, der unsere Spiele besuchen kommt, muss sofort sagen: Das ist Zwickau.» (dpa)