++ EIL ++

Wöhl contra Wirt: „Alte Remise“ soll ausziehen

Zuletzt aktualisiert:

Die Geschichte ist kurz, sonderbar, wie aus einer anderen Welt. Während Politiker hierzulande immer wieder beteuern, dass die Gastwirte in dieser schweren Zeit nach allen Kräften unterstützt werden, kündigt ein Zwickauer Stadtbetrieb dem Inhaber der „Alten Remise“ den Mietvertrag.

Sven Naundorf war fest davon ausgegangen, dass sich sein Mietvertrag mit dem Sportstättenbetrieb der Stadt Zwickau automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Deshalb steckte er zu Beginn des Jahres auch 2.500 Euro in die Technik, damit er dann durchstarten kann, wenn die Gaststätten wieder öffnen dürfen. Doch am 25. Februar wurde ihm die Kündigung des Mietvertrages überreicht – mit Wirkung zum 31. Mai 2021.

Zur Übergabe der fristgerechten Kündigung gibt es ein Protokoll, das neben Betriebsleiter Sven Wöhl zwei Mitarbeiterinnen des Eigenbetriebs der Stadt unterschrieben haben. Im letzten Satz ist von offenen Forderungen die Rede, die separat geklärt werden.

Sven Naundorf räumt ein, dass es aufgrund des Lockdowns Schwierigkeiten gab, fügt aber hinzu: „Ich glaube, zum Zwölften diesen Monats sind zum Glück die Novemberhilfen geflossen. Somit konnten wir alles begleichen, alle gestundeten Mieten, die eigentlich bis zum Dezember 2021 gestundet sind.“ Es gebe keine offenen Forderungen. „Es gibt keinen Grund“, sagt Sven Naundorf immer wieder. Die Kündigung ist für ihn nicht greifbar.

Er äußere sich zu dem Fall nicht, sagte uns Sven Wöhl und begründete das mit einer laufenden juristischen Angelegenheit und mit dem Datenschutz. Oberbürgermeisterin Constance Arndt ist über die Kündigung informiert. Sie habe intern Bedenken geäußert, sagte sie vorige Woche am Rande des Stadtrates. In der schwierigen Situation für Gastronomen hätte sie sich nach ihren Worten „persönlich eine andere Situation gewünscht.“

Sven Naundorf wird sich gegen die Kündigung wehren. „Die 'Alte Remise' ist unser Baby.“

Audio:

Interview mit Sven Naundorf