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Zschäpe-Nachbarin sagt beim NSU-Prozess als Zeugin aus

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München (dpa) - „Wir waren befreundet“, sagt Sindy P., „wenn sie zu Besuch war, haben wir uns ganz normal unter­halten, geraucht, auch mal 'nen Wein getrunken.“ Mehrere Jahre wohnte sie in demselben Haus wie Beate Zschäpe - bis 2008, als die mutma­ß­li­chen Neonazi-Terro­risten in eine bessere Gegend in Zwickau zogen. An diesem Montag sitzt sie als Zeugin im NSU-Prozess: Sindy P., 28 Jahre alt, von Beruf Verkäu­ferin, schwarz gefärbte Haare mit roten Spitzen, zenti­me­ter­lange Finger­nägel in grellem Pink. Man kann der Nachbarin wohl glauben, dass sie nicht ahnte, mit wem sie es in Wirklich­keit zu tun hatte - sie kannte Beate Zschäpe unter dem Namen „Lisa“, den (ebenso falschen) Nachnamen wusste sie nur vom Klingel­schild. Uwe Mundlos habe sie nur zwei Mal gesehen, sagt sie, Uwe Böhnhardt gar nicht. Dennoch fällt auf, mit welchem Unwillen Sindy P. überhaupt vor Gericht aussagt; wie sie versucht, nur das Nötigste zu sagen und das am liebsten in der unper­sön­li­chen Form, als sei sie gar nicht richtig dabei gewesen. „Ja, man hatte Kontakt, weil man im Hof saß draußen, mit den anderen Hausbe­woh­nern gegrillt hat.“ Dabei dürfte der Kontakt durchaus eng gewesen sein - zwei bis drei Mal pro Woche habe man sich gesehen, sagt Sindy P., und auch nachdem das Trio in eine andere Gegend gezogen war, sei Zschäpe noch ein bis zwei Mal pro Woche vorbei­ge­kommen. Es fällt schwer zu glauben, dass „Lisa“ in der ganzen Zeit nie auch nur erzählte, wie ihr Freund hieß, mit dem sie zusam­men­lebte. „Man hat nicht so viel von ihr erfahren“, sagt die Nachbarin. „Sie war 'ne sehr gute Zuhörerin.“ Sie habe weder die neue Adresse noch eine Telefon­nummer von Zschäpe gehabt. Verab­re­dungen gab es keine. „Entweder sie war da oder auch nicht.“ So bot die Aussage zwar nichts Neues über Zschäpe - aber einen weiteren Einblick in die Norma­lität der Zwickauer Nachbar­schaft, in der die mutma­ß­li­chen Terro­risten des „Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grund“ (NSU) über Jahre hinweg unauf­fällig leben konnten. Wo keine Fragen gestellt wurden, wo der Leitsatz lautete: „Geht mich ja im Endef­fekt auch nichts an.“ Es ist den Recher­chen von Neben­klage-Anwalt Yavuz Narin zu verdanken, dass einmal mehr deutlich wurde, was alles „normal“ war in dieser Nachbar­schaft. Die politi­sche Einstel­lung ihres Mannes zum Beispiel, die sei „normal“, sagte Sindy P. Narin aber war vorbe­reitet - er hatte die Facebook-Seite von Torsten P. angeschaut und kopiert. Darauf rechts­ex­treme Slogans auf schwarz-weiß-rotem Grund, ein Bild von Paulchen Panther - der Haupt­figur des NSU-Beken­ner­vi­deos - und ein Hetzge­dicht: „Der Ali hat Kohle, der Hassan hat Drogen, wir Deutschen zahlen und werden betrogen.“ Ob das der Gesin­nung ihres Mannes entspreche?, fragt Narin. „Ja.“ Als 2011 rauskam, wer „Lisa“ und ihre Mitbe­wohner in Wirklich­keit waren, da sei sie schon erschro­cken, sagt Sindy P. Mehr wohl nicht. „Wir haben auch komischer­weise nicht negativ über Lisa gedacht, weil wir sie ganz anders gekannt hatten.“