Zwickau gibt Millionen für Bauprojekte aus - zugleich Sorge um Demokratie
Wirtschaftlich steht Zwickau blendend da. Die Auswirkungen der VW-Krise sind längst nicht so schlimm wie befürchtet. Dennoch zeigt sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß besorgt.
Trotz VW-Krise wird in Zwickau 2017 so viel gebaut wie schon lange nicht mehr: Mehr als 28 Millionen Euro will die westsächsische Stadt für Baumaßnahmen ausgeben. „Das ist die höchste Summe, die wir seit etwa 15 Jahren investieren“, sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) am Donnerstag.
Unter anderem wird mit dem Gewandhaus die wichtigste Spielstätte des Theaters Plauen-Zwickau saniert. Zudem sollen Straßen, Kindergärten, eine Oberschule sowie eine historische Holzbrücke über die Mulde erneuert werden.
Der finanzielle Handlungsspielraum sei nicht so eng wie noch im vergangenen Jahr eingeschätzt, so Findeiß. Im September 2015 hatte Zwickau aufgrund des Volkswagen-Abgasskandals und damit befürchteter Steuerausfälle eine Haushaltssperre verhängt, diese am Jahresende aber wieder aufgehoben.
Trotz der guten Nachrichten zeigte sich Findeiß angesichts der Spaltung in der Gesellschaft, die sich auch in Zwickau zeigt, besorgt um die Demokratie. 2016 sei ihr bislang schwierigstes Jahr als Oberbürgermeisterin gewesen. So gab es im Januar einen Steinwurf gegen das Wohnhaus der 60-Jährigen. Ein Täter sei bisher nicht ermittelt worden, es werde jedoch ein rechtsradikaler Hintergrund vermutet. Zudem hätten rechte Störer wiederholt kommunale Veranstaltungen und Stadtratssitzungen als Bühne genutzt.
Extreme Positionen führten jedoch nur zu Hass und Gewalt, wie auch das Beispiel NSU zeige. Im November jährte sich das Auffliegen des rechten Terrortrios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zum fünften Mal. Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU), der zehn Menschen vor allem aus rassistischen Motiven ermordet haben soll, hatte jahrelang unentdeckt in Zwickau gelebt. Findeiß forderte erneut eine umfassende Aufklärung des NSU-Unterstützernetzwerks, dass es in Zwickau und der gesamten Region zweifelsfrei gebe.