• FSV-Vorstand Tobias Leege rechnet mit einem Verlust von 800.000 bis 900.000 Euro, wenn es ab Mai Geisterspiele geben soll. © imago images/ picture point

    FSV-Vorstand Tobias Leege rechnet mit einem Verlust von 800.000 bis 900.000 Euro, wenn es ab Mai Geisterspiele geben soll. © imago images/ picture point

Zwickau-Vorstand regt Ligen-Reform im deutschen Profifußball an

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Vorstandssprecher Tobias Leege von Fußball-Drittligist FSV Zwickau hat angeregt, die drei höchsten deutschen Profiligen unter einem Ligaverband zu vereinen. «Ein systemisches Problem, das man nun lösen kann, ist die Ansiedlung der 3. Liga, die als Profiliga konzipiert ist, aber nicht unter dem Dach der DFL agiert», sagte Leege in einem Interview beim Deutschlandfunk.

Aufgrund der Fernsehverträge seien die Clubs der Bundesligen finanziell ganz anders ausgestattet. «Wir als 3. Liga orientieren uns aber an der ersten und zweiten Liga. Das berücksichtigt aber nicht die unterschiedliche Liquiditätsausstattung», erklärte Leege. Das sei ein Punkt, «wo man sich überlegen muss, ob man das Gefüge zwischen Amateur- und Profifußball überdenkt», erklärte der Funktionär. 

Leege befürchtet, dass «eine ganze Reihe von Clubs» eine mögliche Insolvenz bei einer längeren Aussetzung des Spielbetriebs «nicht überleben» werde. Insolvenzverwaltern werde es dann nicht gelingen, die Vereine am Markt zu halten.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte am Freitag ein Maßnahmenpaket verabschiedet, wonach in Not geratene Vereine im Falle eines Insolvenzverfahrens zumindest in dieser Saison keinen Punktabzug fürchten müssen. Laut Leege könne das zu einer «Wettbewerbsverzerrung führen», weil dies Vereinen, «die jahrelang über ihren Verhältnissen gelebt und Schuldenberge angehäuft haben, helfen kann», betonte der Vorstandssprecher des FSV. Diese Clubs könnten sich «galant» aus der Situation befreien. 

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist der Spielbetrieb in der 3. Liga vorerst bis Ende April ausgesetzt. Ob die Saison ab Mai wieder fortgesetzt werden kann, ist offen. Leege betonte, dass dem FSV Zwickau durch mögliche Geisterspiele ein Verlust von 800 000 bis 900 000 Euro drohe. «Das wäre ein weiterer Genickbruch, denn die Geisterspiele führen dazu, dass die gesamten Kosten des Spieltagbetriebes wieder anlaufen», sagte Leege.

Aktuell befinden sich alle FSV-Mitarbeiter in Kurzarbeit, was die finanzielle Lage etwas erleichtere. Dieses Instrument der Kosteneinsparung wäre bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs allerdings nicht mehr nutzbar, sagte der Vorstandssprecher. (dpa)