Zwickauer Ralf Marschner erscheint nicht vor dem NSU-Ausschuss in Stuttgart
Der NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag von Baden-Württemberg muss zunächst ohne einen wichtigen Zeugen auskommen. Der Zwickauer Ralf Marschner erschien bis Montagmittag nicht vor dem Gremium in Stuttgart. Der als "Manole" bekannte Mann soll eine zentrale Rolle in der rechten Szene gespielt haben. Er arbeitete von 1992 bis 2002 als V-Mann namens "Primus" des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Umfeld des NSU. In der Zeit soll er die mutmaßlichen Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, in seiner Firma beschäftigt haben.
2002 hatte der Geheimdienst ihn als V-Mann "abgeschaltet" - 2013 flog seine V-Mann-Tätigkeit auf. Er lebt heute in der Schweiz und wurde vom NSU-Ausschuss über Liechtenstein geladen. Gegen Marschner liegt in Deutschland ein Vollstreckungshaftbefehl der sächsischen Justiz vor. Dabei soll es um eine Geldstrafe gehen, die er bis heute nicht gezahlt hat. Daher war schon vermutet worden, dass Marschner nicht in Stuttgart erscheint.
Auch der für den Nachmittag als Zeuge geladene frühere Anführer der Neonaziszene in Rudolstadt (Thüringen) erschien nicht. Er meldete sich erneut krank. Der Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, welche Verbindungen des NSU zu Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Unterstützer gab. Dem NSU werden von 2000 bis 2007 zehn Morde zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn. (dpa)