• Joe Enochs stand als Zwickau-Trainer schon mehrmals vor dem Aus. Am Dienstag kann sich der FSV mit einem Sieg gegen Duisburg gehörig Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Zwickaus Trainerdebatten: Endspiel-Experte Enochs bleibt cool

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Joe Enochs muss Nerven aus Stahl haben. Der Trainer des FSV Zwickau befindet sich mit seiner Mannschaft nicht nur permanent im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga. Hinzu kamen in den vergangenen Wochen immer wieder Debatten um seine Zukunft inklusive vom Sportchef ausgerufener Endspiele. Aber Enochs ging seinen Weg unbeirrt weiter, zog jedes Mal seinen Kopf aus der Schlinge.

«Das Geschäft ist einfach so, dass bei Misserfolg am ehesten der Trainer infrage gestellt wird. Insofern kann ich nur Einfluss nehmen, wenn ich erfolgreich bin und die Ergebnisse hole», sagte Enochs. Aktuell klappt das mit den Ergebnissen. Nach dem 2:1 in Unterhaching kann sich Zwickau am Dienstag (19.00 Uhr/MagentaSport) mit einem Sieg gegen den MSV Duisburg einen weiteren Konkurrenten im Abstiegskampf vom Leib halten. Theoretisch könnte der Vorsprung vor der roten Zone auf vier Punkte anwachsen und der FSV hätte immer noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand.

Für Enochs wäre das purer Luxus, zumal sein bisher letztes «Endspiel» um seinen Job erst zwei Wochen her ist. Sportdirektor Toni Wachsmuth hatte vor der Partie gegen Aufsteiger Lübeck öffentlich Druck gemacht. «Uns ist allen bewusst, dass im Profifußball in erster Linie Ergebnisse zählen», hatte der 34-Jährige seinem Coach mit auf den Weg gegeben. Enochs lieferte, gewann 2:1 und verlor von den folgenden drei Spielen nur gegen Aufstiegsfavorit Ingolstadt.

Erstmals richtig ins Wackeln war Enochs' Stuhl schon am Ende der vergangenen Saison geraten. Zwickau taumelte dem Abstieg in die Regionalliga entgegen, was gleichzeitig das Ende der Amtszeit des US-Amerikaners gewesen wäre. In wahnsinnigen Schlussminuten mit zwei Toren in der Nachspielzeit besiegte der FSV jedoch den späteren Aufsteiger Braunschweig 3:2 und verlor auch keins der letzten beiden Spiele. Die Klasse hielt man durch die hauchdünn bessere Tordifferenz im Vergleich zu Chemnitz - und Enochs durfte weitermachen.

Nach einem soliden Start setzte im November ein neuer Negativtrend ein und Sportchef Wachsmuth sprach vor der Begegnung in Verl Anfang Dezember erstmals von einem Endspiel. Diesmal hieß der Jobretter Corona. Die Mannschaft saß schon im Bus in Richtung Westen, als das Gesundheitsamt mehrere positive Tests feststellte und das Gefährt zurückpfiff. Nach der Zwangspause meldete sich Zwickau dann mit einem Sieg in Meppen zurück.

Allein schon, was Enochs in seinem Job nervlich durchmachen muss, ist bemerkenswert. Hinzu kommt die private Seite, die durch die Coronavirus-Pandemie eine bedeutendere Note bekommen hat. Seine Tochter Sophie hat einen angeborenen Herzfehler, gehört zur Risikogruppe. Die Sorge trieb Enochs um, er dachte sogar daran, nicht zu Hause zu übernachten, um seine Familie zu schützen.

Diese ist seit dem Sommer auch noch getrennt. Enochs zweite Tochter Emily flog im August nach Kalifornien, um dort Forensik zu studieren. Für vier Jahre ist sie nun in den USA. Regelmäßige Wiedersehen sind durch die Coronavirus-Pandemie nicht drin. Es sind eben alles andere als normale Zeiten - für Enochs scheint das ganz besonders zu gelten. (dpa)