Immer mehr Sachsen pendeln in andere Bundesländer

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Immer mehr Sachsen pendeln zum Arbeiten in andere Bundesländer oder ins Ausland. Rund 146.000 Frauen und Männer hatten ihren Job auswärts. Das waren knapp vier Prozent mehr als 2020 und damit der bisher höchste Wert seit 1999. Rund jeder Zweite pendelte in westdeutsche Bundesländer, teilte die Regionaldirektion Sachsen der Arbeitsagentur mit.

Die meisten Menschen pendelten im vergangenen Jahr nach Sachsen-Anhalt (26 119), Bayern (25 942), Thüringen (17 256) und Brandenburg (16 672). Für das Ausland gibt es keine Daten. Der Sprecher der Regionaldirektion, Frank Vollgold, wies jedoch darauf hin, dass etwa die Tschechische Republik unter einem ähnlichen Arbeits- und Fachkräftemangel wie Sachsen leide und die Beschäftigungschancen dort gut seien. Mit einer Quote von 2,4 Prozent habe das Land die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union.

"Die Menschen pendeln nicht mehr nur des besseren Verdienstes wegen. Es gibt da eine Vielzahl von Gründen", sagte Vollgold. Zwar sei das Geld noch immer das Hauptmotiv. Aber eigentlich rechne sich das finanziell in vielen Fällen immer weniger. Der Medianlohn in Westdeutschland sei mit 3626 Euro immer noch 769 Euro höher als in Sachsen. Von dem Mehrverdienst müssten jedoch die Kosten etwa für die doppelte Haushaltsführung, für die Pendelfahrten oder für den Unterhalt des Autos abgezogen werden. Nicht zu unterschätzen sei auch die Zeit, die für Kinder und Familie verloren ginge.

Neben dem möglicherweise besseren Verdienst könnten auch bestimmte Weiterbildungsmöglichkeiten, eine andere Arbeitszeitverteilung, Homeoffice-Möglichkeiten, bessere Karrierechancen oder das Image des Unternehmens den Ausschlag geben.

Dabei suchen die sächsischen Unternehmen händeringend Fachkräfte. In einigen Berufen gibt es sogar Vollgold zufolge mittlerweile "echte Mangelerscheinungen". Aktuell sind mehr als 45 000 freie Stellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet - die meisten in Vollzeit und unbefristet. Für Rückkehrwillige gebe es bei den Arbeitsagenturen Beratungsangebote.